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Frauen arbeiten pro Tag vier Stunden unbezahlt

30.04.2016
Wir sprechen von unbezahlter Arbeit im Wert von insgesamt 826 Milliarden Euro.

Am 1. Mai ist viel von den Zumutungen der Arbeitswelt die Rede. Komischerweise geht es dabei nie um die – meist von Frauen – unbezahlt geleistete Arbeit. Ein Beitrag zum 1. Mai 2016.

Nachbarschaftshilfe, Pflege von Familienangehörigen, Betreuung von Kindern und ehrenamtliches Engagement. All dies sind typische Beispiele für unbezahlte Arbeit. Im Jahr 2013 wurde in Deutschland durchschnittlich 35 Prozent mehr Zeit auf unbezahlte als auf bezahlte Arbeit verwendet. Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt vergangene Woche veröffentlichte. Legt man einen für die Hausarbeit typischen Stundenlohn von 9,25 Euro zugrunde, wurden im Jahr 2013 unbezahlte Arbeitsstunden im Wert von 826 Milliarden Euro geleistet. Im gleichen Zeitraum erhielten Beschäftigte in Deutschland 780 Milliarden Euro Arbeitslohn.

Seit 1992 ist der Anteil der unbezahlten Arbeit am gesamten Arbeitsvolumen zurückgegangen. Trotz Bevölkerungswachstum sank die Anzahl der unbezahlten Arbeitsstunden um 13 Prozent. Wurden 1992 noch 102 Milliarden Stunden in Deutschland ohne Geld gearbeitet, waren es 2013 nur noch 89 Milliarden Stunden.

Frauen arbeiten deutlich mehr unbezahlt

Während Männer im Durchschnitt zweieinhalb Stunden am Tag unbezahlt arbeiten, kommen Frauen auf vier Stunden. 1992 waren es noch zwei Stunden und 45 Minuten, die Männer, und fünf Stunden, die Frauen unbezahlt arbeiteten. Damit ist der Rückgang der unbezahlten Arbeitsstunden hauptsächlich auf einen Rückgang der unbezahlten Arbeit von Frauen zurückzuführen. Für diese Entwicklung sieht das statistische Bundesamt vor allem drei Gründe: Mehr Frauen sind erwerbstätig, Paare haben weniger Kinder, und Hausarbeit wird ausgelagert. Letzteres lässt sich vor allem an der gestiegenen Nachfrage nach Fertiglebensmitteln ablesen – und daran, dass mehr externe DienstleisterInnen für die Hausarbeit beschäftigt werden. Die wird dann also bezahlt geleistet – aber häufig sehr niedrig bezahlt, oft unangemeldet, also »schwarz«, und folglich ohne soziale Absicherung und zumeist ebenfalls von Frauen. Da Frauen auch in regulären Jobs, bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit, weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, muss man die Aussage also ergänzen: Ja, Frauen arbeiten weniger unbezahlt als früher. Aber um den Zuwachs an vergleichsweise schlechter bezahlter Arbeit von Frauen zu ermöglichen, müssen andere Frauen noch schlechter bezahlt arbeiten. Ob das der Weg zu mehr Gleichheit und Gerechtigkeit ist?

Geschrieben von:

Anne Schindler

OXI Projektkoordinatorin