Wirtschaft
anders denken.

Beim Bargeld hört die Gemütlichkeit auf

18.03.2016
Mehrere hundert Euro Scheine auf einem HaufenFoto: Chobe. / photocase.deKlickklickklick statt Raschelraschel - wird es in der EU bald kein Bargeld mehr geben?

Die Frage des Geldes beschäftigt Gesellschaften schon seit Jahrhunderten. Ein Blick in die Geschichte.

Die aufgeregte Diskussion darüber, in der EU Bargeld und Bargeldzahlungen zu begrenzen, zeigt einmal mehr die Wahrheit des Gemeinplatzes: »In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf«. Das Wort hat David Hansemann (1790-1864) geprägt, Bankier und Politiker, der, aus dem preußischen Rheinland stammend, zu den führenden Köpfen des »rheinischen Liberalismus« gehörte. In der Revolutionszeit vom März bis September 1848 war er preußischer Finanzminister, zog sich aber nach dem Sieg der Reaktion aus der Politik zurück. Den Satz über das Ende der »Gemütlichkeit in Geldsachen« äußerte Hansemann am 8. Juni 1847 im Vereinigten Preußischen Landtag. Er wandte sich damit gegen die preußischen Großgrundbesitzer (»Junker«), die den vordemokratischen Landtag dominierten und den preußischen Staat zu ihren Pfründen zählten.

In der Berner Aristokratie, die den Kanton Bern beherrschte, wie die Junker Preußen, galt eine andere Devise: »Über Geld redet man nicht, Geld hat man.« Die Berner Aristokraten lebten vor allem als europaweit tätige Warlords: Sie verkauften und vermieteten Schweizer Bauernsöhne als Söldner.

Geld oder Schulden des Volkes?

Aparte Vorstellungen vom Geld besaß die chinesische Führung, als sie ihre Währung »Renminbi« taufte. Was genau sie sich dabei dachte, ist nicht überliefert. Bekannt ist jedoch die wörtliche Übersetzung des Wortes »Renminbi«: Geld des Volkes. Ein schönes Versprechen, aber illusionsbeladen.

In England hat man seit Adam Smith einen sehr realistischen Blick für Gelddinge. Sein Hauptwerk aus dem Jahr 1776 handelt zwar vom »Reichtum der Nationen«, aber gelesen wurde es bis heute meistens als banales Einmaleins der individuellen »Plusmacherei« (Karl Marx).

Der sprichwörtliche englische Pragmatismus benennt wichtige staatliche Einrichtungen bis heute und nach der politischen Herrschaftsstruktur als »royal institutions« (königliche Organe): »Royal Navy«, »Royal Society«, »Royal Court of Justice«, »Royal Academy«, »Royal Speech« und so weiter. Einzig mit den Staatsschulden wollen die königlich Herrschenden nichts zu tun haben. Deshalb heißen diese trivial, Monarchie-fremd und alle Bürger miteinschließend: »National Debt«. Diese sprachlich induzierte Demokratisierung war mit Sicherheit weder vom Pragmatismus noch vom Zufall inspiriert, sondern folgte »brutaler Interessiertheit für den Stoff« (Marx).

Geschrieben von:

Rudolf Walther

Historiker