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Der große Klau: 40 Prozent der transnationalen Profite werden in Steueroasen verschoben

10.06.2018
Benh LIEU SONG / CC BY-SA 3.0Luxembourg city

Große Konzerne verschieben jedes Jahr fast 40 Prozent ihrer transnationalen Gewinne in Niedrigsteuerländer. Ein neues Papier »The Missing Profits of Nations« sieht im globalen Steuersenkungswettlauf den Versuch, diese verlagerten Gewinne zu sich zu locken. Dabei gerät der Kampf gegen Steueroasen aus dem Blick.

Es ist keine Neuigkeit mehr, aber nun gibt es neue Zahlen dazu: Große Konzerne verschieben jedes Jahr fast 40 Prozent ihrer Gewinne in Niedrigsteuerländer. Führend sind dabei global agierende US-Unternehmen, die stärksten Verluste bei den Steuereinnahmen verzeichnen die Europäische Union und die Entwicklungsländer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuell veröffentlichte Studie von Thomas Tørsløv und Ludvig Wier von der University of Copenhagen sowie dem Berkeley  forschenden Ökonomen Gabriel Zucman. Titel: »The Missing Profits of Nations.«

Die drei Experten zeigen in einem Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research auf der Grundlage makroökonomischer Statistiken sowie der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen von Steueroasen und anderen Ländern, »dass die Steuerbehörden der Hochsteuerländer im gegenwärtigen internationalen Steuersystem keine Anreize zur Bekämpfung der Gewinnverlagerung in Steueroasen haben. Stattdessen konzentrieren sie ihre Durchsetzungsbemühungen auf die Verlagerung von Gewinnen, die an anderen Orten mit hohen Steuern verbucht wurden – und stehlen sich gegenseitig Einnahmen«, hießt es in der Zusammenfassung des Papiers.

Bereits zuvor hatte Zucmann Ergebnisse in der »Süddeutschen Zeitung« präsentiert, die in diese Richtung zielen: »Allein die sechs europäischen Länder Luxemburg, Irland, Niederlande, Belgien, Malta und Zypern schöpfen im Jahr 350 Milliarden Euro ab. Das Geld landet dort, nachdem Armeen von Wirtschaftsprüfern die Zahlungsströme manipuliert haben. Jahr für Jahr verschieben internationale Konzerne so mehr als 600 Milliarden Euro in Steueroasen.« Und weiter: »Steueroasen entziehen der EU umgerechnet ein Fünftel ihrer Unternehmensteuereinnahmen. Das entspricht einem Schaden von 60 Milliarden Euro im Jahr, 17 Milliarden Euro davon entgehen allein Deutschland.«

Zucmann und seine Ko-Autoren sehen in dem globalen Steuersenkungswettlauf den Versuch, diese verlagerten Gewinne zu sich zu locken. Zwischen 1985 und 2018 sei der weltweite durchschnittliche Körperschaftsteuersatz von 49 Prozent auf 24 Prozent gesunken. Statt aber stärker gegen die Steueroasen vorzugehen, »stehlen sich die sich die Staaten gegenseitig Einnahmen, während sie Steuerparadiese blühen lassen«, so Zucmann bei Bloomberg. Dies habe etwas mit den Schwierigkeiten zu tun, gegen Steuervermeidung in Oasen etwas zu tun. Zusammen mit der Veröffentlichung haben die Autoren auch eine neue länderübergreifende Datenbank mit BIP, Unternehmensgewinnen, Handelsbilanzen und Faktoranteilen zur Verfügung gestellt.

Foto: Benh LIEU SONG / CC BY-SA 3.0

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OXI Redaktion