Wirtschaft
anders denken.

Die Natur produziert müllfrei – seit 3,3 Milliarden Jahren

12.12.2017
Müll

Die Wirtschaftsweise der Natur ist seit Millionen von Jahren erfolgreich. Durch permanentes Upcycling wird alles in der Natur immer wieder benutzt. Ganz im Gegensatz dazu die menschliche Wachstumswirtschaft.

Es ist etwa 4.600.000.000 Jahre her, da entstand die Erde. In der Anfangszeit landeten noch viele Meteoriten auf unserem Planeten, inzwischen passiert das äußerst selten – und so kommt kein neues Material auf unserem Globus hinzu.

Irgendwann entstanden die ersten Mikroben, und nach und nach wurde das Leben immer vielfältiger und bunter. Was in der belebten Natur passiert, ist eine Art permanentes Upcycling: Vorhandenes Material wird allein mit Hilfe der Sonnenenergie immer und immer wieder genutzt und ständig umgebaut. Dabei entwickeln sich zunehmend komplexe Wesen und Lebensräume. Einen Plan gibt es nicht – jeder nutzt die sich ständig erweiternden Chancen für die eigenen Bedürfnisse. Auch produziert das System keinen Müll: Was das eine Wesen ausscheidet, ist Existenzgrundlage für andere, und das Wasser bleibt in dieser vernetzten Kreislaufwirtschaft immer sauber. Schon seit etwa 3.300.000.000 Jahren funktioniert das so und kann deshalb wohl als erfolgreiche Wirtschaftsweise gelten.

Die menschliche Wachstumswirtschaft existiert dagegen erst seit etwa 150 bis 200 Jahren. Sie ist aufgebaut nach dem Prinzip Einbahnstraße-Sackgasse: Kohle, Öl, Metalle und Mineralien werden ausgegraben, zu Produkten verarbeitet und nach der Nutzungsphase sind sie Abfall, der für andere Wesen oft hochgradig giftig ist. Auch Wasser ist inzwischen in vielen Regionen lebensbedrohlich verschmutzt. Viele Tier- und Pflanzenarten sind bereits ausgestorben, und so verschwinden auch die Lebensgrundlagen für andere – ein rasanter Downcyclingprozess.

Der menschliche Produktions- und Verbrauchsprozess läuft immer schneller und schneller ab und verwandelt in zunehmendem Tempo Rohstoffe in Müll. Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann, versteht jeder Grundschüler. So weiterzumachen wie bisher heißt nicht nur, dass bald kein Material mehr auffindbar sein wird, um neue Smartphones zu bauen. Die Vergiftung von Wasser, Boden und Luft vernichtet auch die Lebensgrundlagen aller Erdbewohner.

Kurzum: Sich die Natur untertan machen zu wollen, war keine besonders kluge Idee. Sie sollte möglichst schnell begraben werden. Die einzige Möglichkeit für die Menschheit, auch längerfristig dabei zu sein, besteht in der Kooperation mit der Natur. Das muss keineswegs das Ende von Wachstum und Erfindergeist bedeuten. Die Natur hat schließlich seit 3.300.000.000 Jahren vorgemacht, dass bei einer kleinteiligen und regional angepassten Wirtschaftsweise sowohl Biomasse als auch Vielfalt ständig zunehmen können. Auch ist die Natur extrem erfinderisch, wie Giraffe, Pimpinelle, Blutegel, Schaumzikade, Ahorn, Hallimasch und Grottenmolch belegen, um nur einige unserer Mitbewohner zu nennen.

Die Natur wird überleben – sie ist kreativ. Ob die Menschheit langfristig dabei sein wird, ist unsere Entscheidung.

Geschrieben von:

Annette Jensen

Journalistin