Wirtschaft
anders denken.

Keine Freunde: Donald Trump und das Silicon Valley

20.04.2016

Der Milliardär und Präsidentschaftsbewerber hegt eine tiefe Aversion gegen die Hightech-Szene in Kalifornien. Das ist ein echtes Problem für die Republikaner.

Donald Trump ist ein Unternehmer, der es mit Ideen, Zielstrebigkeit und Rücksichtslosigkeit zum Multimilliardär gebracht hat. Ein amerikanischer Tycoon des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Er ähnelt darin den amerikanischen Unternehmerhelden des 21. Jahrhunderts, den Hightech-Tycoons aus dem Silicon Valley wie Bill Gates, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg. Doch dass daraus gegenseitige Sympathien erwachsen, lässt sich nicht behaupten. Im Gegenteil.

Mit Sorge beobachten WirtschaftspolitikerInnen der Republikaner, wie Trump all ihre Mühen der letzten Jahre zunichte macht, bei der jungen Wirtschaftselite in Kalifornien Fuß zu fassen. Der um die Präsidentschaftskandidatur kämpfende Immobilienunternehmer beschimpft und beleidigt die führenden Leute der Digitalwirtschaft regelmäßig und trägt so dazu bei, weitere Punkte (und Millionen Dollar) für seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton zu sammeln. Für sie ist Kalifornien ohnehin ein Heimspiel, denn der andere große Wirtschaftszweig der Westküste, die Filmindustrie, unterstützt traditionell die Demokraten.

Woher kommen Trumps Aversionen?

Das ist ein ernstes Problem für die Republikaner, denn Apple, Facebook, Amazon & Co. sind die Garanten für die ökonomische und kulturelle Hegemonie der USA bei der Digitalisierung der Welt. Eine Partei, die weiter die Geschicke des Landes mitbestimmen will, darf den Kontakt zu diesem international wirksamen Kraftzentrum der US-Wirtschaft nicht verlieren.

Eine Partei, die die Geschicke des Landes mitbestimmen will, darf den Kontakt ins Silicon Valley nicht verlieren.

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Woher die Aversion Trumps stammt, ist nicht ohne weiteres erklärbar. Es mögen kulturelle Gründe eine Rolle spielen, die mit dem liberalen Lebensstil dieser multikulturell orientierten jüngeren Generation im Silicon Valley zu tun haben. Es gibt aber auch handfeste politisch-ökonomische Gründe. So sind die Hightech-Unternehmen in Kalifornien auf eine ständige Zuwanderung begabter und motivierter MitarbeiterInnen aus Asien angewiesen, was nur bei einer offenen Immigrationspolitik funktioniert – die Trump ablehnt. Ähnlich verhält es sich mit der Freihandelspolitik. 30 Prozent der US-Importe aus China gehen nach Kalifornien, die Kooperation ist eng. So findet fast die ganze Hardwareproduktion von Apple in China statt. Trumps Abschottungspläne stehen dem entgegen. Er hat angekündigt, er werde Apple dazu zwingen, seine iPhones in den USA montieren zu lassen.

Jeff Bezos möchte Trump auf den Mond schießen

Dazu kommen bizarre Ideen wie die Forderung an Microsoft, im Kampf gegen den Terrorismus das Internet zeitweise »abzuschalten«. Amazon-Chef Jeff Bezos, dem Trump größte Probleme für sein Unternehmen ankündigte, wenn er erst Präsident sei, reservierte dem Mann schonmal einen Platz in einer Rakete seines Raumfahrtunternehmens, um ihn sozusagen auf den Mond zu schießen.

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Generell dürften die meisten Menschen, die bei den Hightech-Unternehmen im Silicon Valley arbeiten, zu intelligent, zu gebildet, zu weltoffen und auch zu wohlhabend sein, um anfällig für Trumps Rechtspopulismus zu werden. Prominente wie Sheryl Sandberg aus der Führung von Facebook oder der Tesla-Vorstandschef Elon Musk haben schon zur Wahl von Hillary Clinton aufgerufen. Meg Whitman, früher bei eBay, heute Präsidentin von Hewlett Packard und selber einst Gouverneurskandidatin der Republikaner, warnt vor Trumps Nominierung durch ihre Partei. Sollte es aber so weit kommen, könne die Parole bei der Wahl im November nur heißen: Jeden außer Trump.

Geschrieben von:

Holger Schmale

politischer Autor