Wirtschaft
anders denken.

Warum Frauen immer noch weniger verdienen

20.03.2016
7 % weniger verdienen Frauen pro Stunde bei gleicher Qualifizierung und gleicher Tätigkeit.Die nächste schlechte Nachricht: Im Alter wird es noch viel schlimmer.

Am 20. März ist Equal Pay Day. Dabei sind wir von »Equal Pay« für Frauen und Männer noch Lichtjahre entfernt.

Am 20. März 2016, dem Equal Pay Day, werden Frauen wieder rote Handtaschen durch Städte wie Berlin, New York und Kapstadt tragen. Das ist kein Modetrend, sie wollen damit auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Löhnen – den Gender Pay Gap – aufmerksam machen.

Frauen verdienten im Jahr 2014 pro geleisteter Arbeitsstunde im Schnitt 21,6 Prozent weniger als Männer. Gehen wir davon aus, dass die Bezahlung männlicher Arbeitnehmer »normal« wäre, arbeiteten Frauen an einem achtstündigen Arbeitstag 1,8 Stunden umsonst. Wohlgemerkt zusätzlich zu der unbezahlten Arbeit im Haushalt, in der Pflege und bei der Kinderbetreuung, von der Frauen ohnehin den Löwinnenanteil leisten.

Frauen arbeiten 1,8 Stunden am Tag umsonst

An diesem Einkommensunterschied hat sich in den letzten Jahren kaum etwas geändert, allerdings gibt es enorme Unterschiede zwischen Ost und West. Während Frauen in den neuen Bundesländern etwa acht Prozent weniger pro geleisteter Arbeitsstunde verdienen als Männer – vor fünf Jahren waren es nur sechs Prozent – sind es in Westdeutschland 23 Prozent.

Die Gründe für die abweichenden Bruttoverdienste sind vielfältig. Frauen und Männer arbeiten in unterschiedlichen Branchen und wählen unterschiedliche Berufe. Auch Arbeitsplatzanforderungen wie Qualifikation und Führungsaufgaben beeinflussen den Gender Pay Gap. Unterschiede in den Erwerbsbiografien wie Arbeitspausen für die Kinderversorgung zwischen Männern und Frauen haben ebenfalls einen Einfluss. Außerdem arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, meist aus familiären Gründen. Derzeit sind nur ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten in sozialversicherungspflichtigen Berufen weiblich. Bei der Teilzeitbeschäftigung liegt der Frauenanteil dagegen bei 80 Prozent. Das sind immerhin 45 Prozent aller erwerbstätigen Frauen. Auch bei Minijobs sind Frauen mit zwei Dritteln wesentlich stärker vertreten als Männer. All dies erklärt aber nur zwei Drittel der geschlechtsspezifischen Verdienstunterschiede. Ein Unterschied von einem Drittel – etwa sieben Prozent – besteht auch bei gleicher Qualifikation und gleicher Tätigkeit. Branchenspezifisch kann es durchaus noch höhere Differenzen geben.

Auch im Alter haben Frauen wesentlich weniger

Die ungleiche Bezahlung, unterschiedliche Erwerbsbiografien und die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern bestimmen das Leben von Frauen über die Arbeitsjahre hinaus. Frauen beziehen auch im Alter deutlich weniger Einkommen. Bei den Renten geht die Schere noch einmal deutlich weiter auseinander, Frauen erhalten im Durchschnitt fast 60 Prozent weniger Alterssicherung als Männer. Jede fünfte Rentnerin hat 2011 eine Alterssicherung von weniger als 250 Euro erhalten, 18 Prozent erhielten weniger als 450 Euro und 20 Prozent weniger als 650 Euro. Über eine unabhängige Lebenssicherung verfügt demnach nur eine kleine Gruppe der heutigen Rentnerinnen. Die Abhängigkeit vom Partner nimmt im Alter zu.

Die zunehmende Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt wird sich auf die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Alterssicherung auswirken – hoffentlich positiv. Sicher ist das nicht. Denn auch in prekären Beschäftigungsverhältnissen und Niedriglohnjobs sind mehrheitlich Frauen zu finden. Vielleicht wäre es an der Zeit, eine Lohnerhöhung für Frauen zu fordern. 21,6 Prozent wären wohl das Mindeste.

Geschrieben von:

Anne Schindler

OXI Projektkoordinatorin