Wirtschaft
anders denken.

Fast jeder zweite Manager? Eine EY-Studie zum Grundeinkommen und eine Nachricht in der FAZ

29.04.2018
Bundesarchiv, Bild 183-V06526 / Paalzow, Günther, Lizenz: CC BY-SA 3.0Bankfiliale, damals.

Was so genannte Führungskräfte von Unternehmen vom Bedingungslosen Grundeinkommen in Zeiten der Digitalisierung halten? Eine Studie fördert durchaus Interessantes zutage. Und eine Zeitung macht sich ihren eigenen Reim. 

Was denken Manager über das Bedingungslose Grundeinkommen? Das lässt sich gar nicht leicht in einen Satz fassen, die »Frankfurter Allgemeine« tut es trotzdem: »Für Manager ist klar: Grundeinkommen mindert Motivation«. Grundlage der Meldung ist eine Studie der Beratungsfirma EY unter 300 Managern aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Handel, Maschinenbau und Automobil.

Was der Zeitung in die eigene Denke passt, wird zum klaren Gesamtergebnis erhoben: »42 Prozent und damit fast jeder zweite Manager« sei »der Überzeugung, dass das bedingungslose Grundeinkommen eher Nachteile mit sich bringt, vor allem befürchten sie eine Demotivation«.

Was sagt nun aber die Studie? Erstens, dass sich nur 43 Prozent der befragten Manager mit dem Thema Bedingungsloses Grundeinkommen überhaupt »schon einmal intensiver befasst« haben. Das heißt, fast zwei Drittel haben die Fragen aus der Position eher geringer Kenntnis der verschiedenen Modelle, der Finanzierungsfragen, der gesamtökonomischen Folgen beantwortet. Das lässt die Endergebnisse schon einmal ein bisschen anders aussehen.

Zweitens und interessanter: Auch wenn »42 Prozent und damit fast jeder zweite Manager«, wie die FAZ mal eben großzügig aufrundet, der Ansicht ist, bei einer Einführung eines Grundeinkommens würden »die Nachteile überwiegen«, sagen aber genauso viele, nämlich ebenfalls 42 Prozent, »Vor- und Nachteile halten sich die Waage«. Man könnte auch sagen, die Manager, die eindeutig Nachteile sehen, sind in der Minderheit.

Drittens, und das ist eine Botschaft an jene Skeptiker, die der Auffassung sind, ein von Managern befürwortetes Grundeinkommen laufe sicher und definitiv auf ein neoliberales Armeneinkommen hinaus. Zwar sagen tatsächlich immerhin 41 Prozent der Befragten der Studie, ein Betrag zwischen 751 und 1.000 Euro sei ausreichend, »um für jeden Bürger die notwendigsten Bedürfnisse der gesellschaftlichen Teilhabe zu erfüllen«, 15 Prozent der gut bezahlten »Führungskräfte« wollen sogar einen Betrag unter bis 750 Euro als ausreichend ansehen. 38 Prozent halten aber immerhin eine Höhe des Grundeinkommens von 1.000 bis 1.250 Euro für adäquat, 24 Prozent sogar darüber.

Viertens, und nun kommt wieder die Meldung in der »Frankfurter Allgemeinen« ins Spiel: Was sind die Nachteile, die einem Manager beim Thema Grundeinkommen in den Sinn kommen? 54 Prozent sagen, es würde dann »kein Anreiz mehr zu arbeiten« geben und die »Leistungsbereitschaft sinkt«. 33 Prozent meinen, ein Grundeinkommen »widerspricht dem Gedanken der Leistungsgesellschaft«, worüber man trefflich polemisieren könnte – wer leistet eigentlich was, was der Anzugträger im Hochhaus, was der Blaumann am Montageband, was die Pflegekraft, was die sozial engagierte Rentnerin, was der erwerbslose Fußballtrainer und und und und ? Wir geben zu, die Überschrift der Studie von EY hat uns in diesem Zusammenhang amüsiert: »Geld ohne Leistung?«

Auffallend ist übrigens auch, dass mehr Manager (20 Prozent) fürchten, ein Grundeinkommen werde die »Gesellschaft spalten, Parallelgesellschaften« würden entstehen und die »Kriminalität wird steigen«. Aber nur 11 Prozent nennen mögliche Probleme der Finanzierung.

Wenn man sich dann aber anschaut, was die Manager auf Fragen antworten, die die mögliche Veränderung der »Motivation und Leistungsbereitschaft Ihrer Mitarbeiter« angeht, wird es wieder interessant: Zählt man die Antworten zusammen, bei denen die Befragen meinen, die Leistungsbereitschaft werde sich grosso modo »nicht verändern« oder gar steigen, oder die »hinsichtlich der Auswirkungen unentschieden« sind, bleiben die befragten Manager, die der Auffassung sind, die Leistungsbereitschaft werde sinken, in der Minderheit.

Man kann sich die Ergebnisse der Befragung ruhig einmal genauer ansehen, auch deshalb, weil die Widersprüche, die da artikuliert werden, auch dann gelöst werden müssten, wenn das nicht von Managern entschieden wird. »73 Prozent der Führungskräfte meinen, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen wird, weil der Produktivitätsfortschritt durch die neuen Technologien nicht alle Bürger gleichermaßen erreicht.«

Und immerhin 39 Prozent der Manager sehen in dem, was allgemein unter Digitalisierung gefasst wird, ein ausgesprochen oder eher drängendes Problem. Gefragt wurde nach einer Einschätzung des Wandels durch neue Technologien, der »das Modell der durchgängigen Erwerbsarbeit in Frage« stelle und dessen mögliche Folge sei, dass »ein Teil der Bevölkerung … nicht mehr am Wohlstand und an der gesellschaftlichen Entwicklung teilhaben« könne.

Geschrieben von:

OXI Redaktion