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Eine Warnung in Zahlen

08.03.2016
50 Prozent der Weltbevölkerung sind weiblich, ihr Anteil am Welteigentum beträgt ein Prozent.Was wollen die Feministinnen eigentlich, Frauen sind doch gleichberechtigt. Oder?

Am Internationalen Frauentag 2016 ist eine gute Gelegenheit, sich ein paar Zahlen zur Lohngerechtigkeit, Armut und Teilhabe am Arbeitsmarkt vor Augen zu führen.

Der 8. März ist der Tag, an dem Frauen geehrt und ihrer Kämpfe, Erfindungen und Erfolge gedacht wird. Es ist aber auch der Tag im Jahr, an dem Probleme von Frauen und die auch im Jahr 2016 bestehende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern thematisiert werden. Dieser Tag ist aber auch die Zeit für jene, die die gezielte Förderung von Frauen und Mädchen ablehnen und das patriarchale, als das einzig wahre System feiern. Letztgenanntere speisen die Ungleichbehandlung der Geschlechter als notwendiges Mittel und Heulerei der Feministinnen ab. Dabei sprechen die Zahlen für sich:

Hälfte Hälfte?

Heute ist die Hälfte der Weltbevölkerung weiblich. In einer idealen Welt müssten Frauen also über die Hälfte des Reichtums, der Ressourcen und Möglichkeiten verfügen. Doch das bleibt eine Utopie. Zwei Drittel der weltweit in Armut lebenden Menschen sind Frauen. Sie sind nicht nur monetär ärmer, sondern haben auch einen wesentlich schlechteren Zugang zu Bildung, politischer Teilhabe und Grundversorgung als Männer. In vielen Ländern haben Frauen deutlich weniger Rechte als Männer. Frauen erbringen mehr als 60 Prozent der global erbrachten Arbeitsleistung, von der jedoch nur etwa ein Drittel bezahlt wird. Damit leisten Frauen etwa zwei Drittel der nicht entlohnten Reproduktionsarbeit weltweit. Dass Frauen nur über etwa zehn Prozent des Welteinkommens verfügen, verstärkt die patriarchalen Strukturen. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht.

Frauen erbringen mehr als 60 % der global erbrachten Arbeitsleistung, von der jedoch nur etwa 1/3 bezahlt wird.

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Armut ist weiblich

In Deutschland sind Frauen im Jahr 2016 deutlich häufiger von Armut bedroht und verdienen auch bei gleicher Qualifikation signifikant weniger als Männer. Frauen zwischen 18 und 24 und zwischen 50 und 64 Jahren sind besonders stark armutsgefährdet. In beiden Altersgruppen liegt die Armutsgefährdungsquote bei über 20 Prozent. Zum Vergleich: Männer in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren sind mit rund 17 Prozent und in der Altersklasse von 50 bis 64 Jahren mit 18 Prozent deutlich seltener von Armut bedroht.

Verschärft stellt sich diese Situation für Alleinerziehende dar. Etwa 40 Prozent aller Alleinerziehenden gelten als armutsgefährdet. Frauen sind hier wesentlich stärker betroffen, denn neun von zehn Alleinerziehenden sind weiblich. Einmal mehr sind es Frauen, die zwar zur Reproduktion des Systems durch die Geburt von Kindern und ihre Erziehung beitragen, aber von der gesellschaftlichen Teilhabe aus finanziellen Gründen ausgeschlossen werden.

Der Gender Pay Gap bleibt hoch

Dabei ist das klassische Bild »Frauen an den Herd und Männer in die Produktion« inzwischen aufgebrochen. 46 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland waren im Jahr 2013 weiblich. Doch auch hier lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Frauen verdienen pro Stunde etwa sieben Prozent weniger als Männer – bei gleicher Qualifizierung und Tätigkeit. Die unbereinigte Lohndifferenz beträgt sogar 22 Prozent. Zu zwei Dritteln kann diese Differenz durch die unterschiedliche Verteilung der Geschlechter auf Berufe und Branchen, Positionen und Arbeitsumfang erklärt werden: Männer arbeiten eher in Hochlohnbranchen und Chefetagen, Frauen häufiger in Niedriglohnjobs und am unteren Ende der betrieblichen Hierarchie. Oder in Teilzeit. Während die Hälfte der Frauen eine Teilzeitbeschäftigung ausübt, ist es bei den Männern nur jeder Neunte. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Meist spielt jedoch die stärkere Belastung von Frauen durch klassische Reproduktionsarbeiten – Pflege von Angehörigen, Kindererziehung – eine Rolle. Denn Frauen arbeiten nicht nur häufiger im Gesundheits- und Sozialwesen oder im Bildungsbereich – typische Niedriglohnbranchen –, sie leisten auch den größeren Teil ihrer Arbeitszeit unbezahlt.

Am 8. März sollte man nicht nur an diese Ungerechtigkeiten selbst erinnern, sondern auch daran, dass der Kapitalismus auf ihnen aufbaut und sie das System am Leben halten. Nur weil Frauen auch im Jahr 2016 noch einen Großteil der unbezahlten Arbeit verrichten, und zwar auf Kosten eigenen Eigentums, auf Kosten von Bildung, politischer und gesellschaftlicher Teilhabe, kann auch die ganz normale Ausbeutung funktionieren. Wenn Frauen sich eines Tages entscheiden, nicht mehr mitzuspielen, bricht alles zusammen. Nur mal so als Warnung.

Geschrieben von:

Anne Schindler

OXI Projektkoordinatorin