Wirtschaft
anders denken.

Gewinnverschiebung: zur Steuerspar-Akrobatik multinationaler Firmen

06.07.2018
GewinnKecko / flickr CC BY 2.0

Wie viel Gewinn machen Unternehmen pro Euro Lohn? Wie hängt dies von ihrem Standort ab? Ein neues Papier gibt Aufschluss darüber, wie die Wertschöpfung zwischen Kapital und Arbeit in lokalen Betrieben und multinationalen Unternehmen aufgeteilt ist und zeigt einmal mehr den Irrsinn von Steueroasen.

Die Forscher Thomas Tørsløv, Ludvig Wier und Gabriel Zucman haben berechnet, dass der Gewinn von Unternehmen im globalen Durchschnitt etwa 36 Prozent der Lohnsumme beträgt, das heißt pro Euro ausgezahltem Lohn 36 Cent. Deutschland liegt mit 45 Cent Gewinn pro Euro Lohn deutlich darüber. Frankreich mit 22 deutlich darunter.

Diese Zahlen sind interessant, denn sie sagen etwas darüber aus, wie die Wertschöpfung zwischen den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit aufgeteilt wird und warum zum Beispiel Frankreich von Macron nun dringende »Strukturreformen« auf dem Arbeitsmarkt aufgedrückt bekommt. In dem kürzlich veröffentlichten Papier geht es aber nicht in erster Linie um die Verteilung zwischen Kapital und Arbeit, sondern um den Anteil am Gewinn, den der Staat über Unternehmenssteuern einnimmt oder eben nicht einnimmt, wenn etwas an den Zahlen nicht stimmt. Und dass etwas an den Zahlen nicht stimmt, zeigen die Forscher anhand von verbesserten internationalen Investitionsstatistiken, die inzwischen auch für zahlreiche Steueroasen vorliegen.

Was wir schon wussten: Dass Unternehmen mit zahlreichen Tricks Gewinne auf dem Papier in Steueroasen verschieben, um Steuern zu sparen. Was neu ist: Die Forscher vergleichen das Verhältnis von Gewinnen zu Lohnkosten zwischen lokalen Unternehmen und den Töchtern multinationaler Unternehmen. Dabei fällt auf, dass Töchter multinationaler Unternehmen in Hochsteuerländern deutlich weniger Gewinn machen als ebenfalls dort ansässige lokale Unternehmen.

Im Durchschnitt erzielen lokale Unternehmen in Deutschland einen Gewinn von 52 Cent pro Euro Lohn. Bei multinationalen Unternehmen sind es hingegen nur 18 Cent. Das liegt aber nicht an der arbeitnehmerfreundlichen Lohnpolitik der Multis, sondern an künstlich kleingerechneten Gewinnen. Denn in den Steueroasen ist es genau andersherum. Bei gleichem Kapitalstock sind multinationale Unternehmen dort viel profitabler als lokale Unternehmen. In Irland machen lokale Firmen etwa 68 Cent Gewinn pro Euro, den sie als Lohn an Beschäftigte ausgezahlt haben.

Bei multinationalen Firmen sind es hingegen ganze 8 Euro – ökonomisch betrachtet ein irrsinniger Wert. Die Zahlen legen nahe, dass es eigentlich ein Interesse mittelständischer Betriebe daran geben müsste, der Steuerspar-Akrobatik der multinationalen Firmen einen Riegel vorzuschieben. Denn ohne derartige Gewinnverschiebungen müssen sie, relativ betrachtet, mehr Steuern zahlen und haben dadurch einen Wettbewerbsnachteil. Leider scheinen die deutschen Unternehmensverbände möglicherweise differenzierte Interessenslagen in der Unternehmenslandschaft – zumindest nach außen hin – aber immer wieder glattzubügeln.

Geschrieben von:

Sarah Godar

wissenschaftliche Mitarbeiterin HWR