Wirtschaft
anders denken.

KD-Radioshow im Mai: Postcapitalism

04.05.2017
Wirtschaftprofessor Klaus Dörre bei seiner monatlichen RadioshowFoto: Radio OKJWirtschaftskritiker in seinem kreativen Element: moderierend und kommentierend.

In der KD-Radioshow betreibt der Wirtschaftssoziologe Klaus Dörre von der Friedrich-Schiller-Universität Jena jeden Monat »musikalische Gesellschaftskritik« im lokalen Bürgerradio. Gesendet wird, worüber er und seine KollegInnen sonst Vorlesungen halten oder Bücher schreiben: Populismus, Eigentum, Wirtschaftsdemokratie und Postkapitalismus. Für OXI-Blog schreibt Klaus Dörre dazu exklusiv eine kommentierte Playlist.

Schluss, aus, vorbei – das klingt zwar befreiend und nach Aufbruch, kann aber ganz schön mühsam und schmerzhaft sein, wie alle wissen, die sich schon mal getrennt haben. So ähnlich scheint es vielen auch mit dem Abschied vom ungeliebten Kapitalismus zu gehen.

Where’s The Revolution? fragen Depeche Mode und wir wissen: Wenn der Mainstream-Pop diese Frage stellt, dann warten wir auf Godot. Immerhin, wir sind In Movement und zwar mit Jack DeJohnett, Ravi Coltrane & Matthew Garrison. Doch wohin geht die Reise? In den Postkapitalismus, behauptet Paul Mason. Die Gesellschaft nach dem Kapitalismus kann schrecklich vergnüglich werden, denn dann sind wir alle gleich, lehrt uns der schwer angesagte Father John Misty. Wir erleben Total Entertainment Forever, für Arm und Reich auf dem gleichen Kanal. Bevor wir uns zu Tode amüsieren, widmen wir uns lieber der Arbeit. Work Together empfehlen The Dirty Projectors. Und tatsächlich, Zusammenarbeit bleibt auch im Tomorrow Land richtig, das John Scofield und seine Band bespielen. Möglicherweise wird der Postcapitalism doch zum Passion Play (When All The Slaves Are Free). Und mit Joni Mitchell fragen wir: »Now you tell me Who you gonna get to do the dirty work When all the slaves are free?«. Wir jedenfalls nicht, antworten The Jesus and Mary Chain und betreiben Amputation. Sich trennen zu können hilft gegen Mental Ilness, gegen das Gefühl von Stuck in the Past, mit dem sich Aimee Mann beschäftigt. Manches scheinbar Unveränderliche würden wir wirklich gerne entbehren. Den Deutschen Sonntag zum Beispiel, denn »da frier ich vor Gemütlichkeit«, wie schon Franz Josef Degenhardt wusste. Doch wie kommen wir da heraus, wenn sich Bob Dylan auf Triplicate in die 1950er-Jahre zurückbeamt? War er nicht von dort aufgebrochen, mit seiner eigenen kulturrevolutionären Radioshow? There’ll be a hot time in the old Town tonight, ließ er Bessie Smith in Themetimeradio ankündigen. Und nun: Kendrick Lamar, die RAP-Stimme von Black live matters, begibt sich auf die Suche nach Gott! Also bitte, wo ist der Soundtrack zum Postcapitalism? Liefert den etwa Veedel Kaztro mit Hund ohne Leine? Irgendwie will beim Thema Postkapitalismus gute Stimmung nicht so recht aufkommen. Kann sein, dass manche von uns sich deshalb lieber auf den Next Day konzentrieren, wie David Bowie empfiehlt. Doch wir sollten nicht einfach abwarten, was uns bewegte Zeiten bringen. Stattdessen halten wir es mit Danko Jones und sagen: Revolution (But Then We Make Love).

Manchmal ist kein Sex eben auch keine Lösung, lautete deshalb das Motto der KD-Radioshow am 4. Mai 2017. Als Studiogäste waren mit dabei: Sigrun Matthiesen von OXI, der Zeitschrift für Wirtschaft in der Gesellschaft, und Emma Dowling, Soziologin in London und Jena.

KD-Radioshow: jeden ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr und am Folgetag um 13 Uhr unter radio-okj.de/wp-content/themes/radiookj/okj-player.html oder bestellen unter KD-Radioshow@listserv.uni-jena.de

Geschrieben von:

Klaus Dörre

Professor für Soziologie