Wirtschaft
anders denken.

KD-Radioshow Summertime (im Sommerloch)

24.08.2017
Klaus Doerre am Mikro, in Kamera lachendFoto: Anna MehlisRadioliebhaber und Wirtschaftskritiker in seinem kreativen Element: moderierend und Gesellschaft kommentierend.

Die Summertime, von Janis Joplin mit ihrer Interpretation des Gershwin-Klassikers so unwiderstehlich besungen, nähert sich dem Ende. Doch wir sind immer noch im Sommerloch. War da was? Stehen uns nicht Wahlen bevor? Green Light verkündet Lorde. Aber nicht für den Wahlkampf, sondern für »different drinks« an der Bar. Irgendwie ist uns die Sache wohl egal. So wie Blondie. Doom or Destiny, oder eben wieder Angela Merkel. Nehmen wir es einfach hin. Warum nicht einfach noch 30 Jahre mehr für Die Regierung! Werden wir eben, wie John Scofield prognostiziert, zum Country for Old Men und alte Kanzlerinnen. Keine Experimente! Wir lehnen uns zurück, schauen alte Western, sehnen uns nach dem Red River Valley und hören auf Y’akoto: Drink my Friend! Keine Nacht für niemand! heißt unsere Parole. Und ganz egal woran wir im Sommerloch denken: Am Ende  denkt jeder wie der Kraftklub aus Karl-Marx-Stadt für sich nur an dich. Der Sound der Revolte findet anderswo statt. Etwa in Portugal: Bons Dias sagen und singen uns Deolinda. Deren moderner Fado-Pop begleitet dort die »Bewegung der Inflexibel Prekären«. Dem möchte John Watts in nichts nachstehen. Er hat Fischer Z mal wieder zusammengetrommelt und lässt uns in Let’s put the Pressure on wissen: »The ranks oft he privileged have weakened now. It’s time for the people to regain their power. Get it back!« Geht da vielleicht doch noch was? Sollte sich die deutsche Linke endlich ihrer Verantwortung bewusst werden? Brauchen wir dazu vielleicht ein bisschen mehr Loyality wie Kendrick Lamar meint? Mehr Loyalität gegenüber denen, die unter vier weiteren verlorenen Jahren leiden werden? Mit sanfter feministischer Power zeigt uns Laura Marling sehr klar Always this Way. Und der bringt uns raus aus dem Sommerloch. Wahlen sind keine Revolution, noch nicht mal Revolten. Sie einfach abzuschenken, bringt uns aber nicht auch weiter. Es hilft ja nichts, vor den Problemen wegzurennen. Auch wenn‘s daneben geht, da ist immer jemand On Your Side, verspricht jedenfalls Trevor Sensor und klingt dabei wie Robert Zimmerman. Also raffen wir uns auf und stimmen für eine Alternative, auch wenn‘s damit am Ende doch nichts wird. Denn wie Paul Weller uns wissen lässt: Jeder Schritt vorwärts bringt uns nicht unbedingt A Kind of Revolution, aber wenigstens Neues, Nova. Wir brauchen einfach ein Waking up, zum Beispiel von Evan Dando. Denn nach dem Sommerloch kommt manchmal ein heißer Herbst. Doch egal wie’s kommt, wir stimmen ein, wenn Little Walter singt: Boom, Boom out goes the Lights!

KD-Radioshow am 24.8.2017 von 18-19 Uhr und am 25.8.2017 von 13-14 Uhr unter: radio-okj.de/wp-content/themes/radiookj/okj-player.html oder Mitschnitt bestellen unter KD-Radioshow@listserv.uni-jena.de

Die nächste KD-Radioshow folgt dann am 21. September 2017, Wiederholung am Folgetag.

Geschrieben von:

Klaus Dörre

Professor für Soziologie