Wirtschaft
anders denken.

Man sollte sie nach Wien schicken

24.08.2018
Wonho Sung/Unsplash

Mitten in der Wohnraumkrise setzen Ideologen noch einmal auf das falsche Pferd. Ein Gastkommentar von Axel Troost.

Jetzt wollen die ideologisch getriebenen Marktradikalen im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums – mitten in der Wohnraumkrise – die Wohnungen noch viel stärker dem Markt überlassen, um die Probleme »marktkonform« für die MieterInnen zu lösen: durch die Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus und Aufhebung der Mietpreisbremse.

Wenn man die marktradikale übergroße Mehrheit der deutschen ÖkonomInnen nicht kennen würde, könnte nur vermutet werden, dass wahrscheinlich in diesem Ökonomengremium nur Leute sitzen, die ihr Geld auf dem Wohnungsmarkt vermehren wollen durch weitere Mietpreissteigerungen.

Um die Realität des Wohnungsmarktes – mit wirklich ausgeprägtem sozialen Wohnungsbau – einmal kennenzulernen, sollte man sie nach Wien schicken, wo der soziale Wohnungsbau eben nicht privatisiert wurde.

Wien wurde gerade zur »lebenswertesten Stadt der Welt« erkoren. Und so ist Wien – ganz im Gegensatz zu diesen Marktideologen, die sich um die Realität einen Sch…dreck kümmern, die Hauptstadt des bezahlbaren Wohnens.

Diese verdrehte Welt des weiteren Mietwahnsinns wird aktuell auch vom Gewerkschaftsdachverband DGB verurteilt, denn von Pensionsfonds werden bei Wohnungen in Berlin Gewinnsteigerungen von 18 Prozent erwartet. Und ganz im Gegensatz zu den Herren Ideologen im Wirtschaftsbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin sah der Mieterbund schon die Schwächen in der Koalitionsvereinbarung selbst angelegt.

So ist diese Große Koalition wohl doch zum »Laufenlassen« der Mietpreissteigerung verdonnert, um das ganze Elend der MieterInnen in Großstädten eskalieren zu lassen. 

Axel Troost ist stellvertretender Vorsitzender der Linkspartei, Senior Fellow für Wirtschaftspolitik beim Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitglied im Vorstand des Institut Solidarische Moderne.

Geschrieben von:

Axel Troost

Senior Fellow für Wirtschafts- und Europapolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung