Wirtschaft
anders denken.

Marx und die Roboter: Ist diesmal wirklich alles anders?

09.07.2019
Foto: IraEm / pixabay.com

Was hat es mit Automatisierung, Künstlicher Intelligenz und lebendiger Arbeit auf sich? Der Marxsche Begriff der Produktivkraft hilft bei der Kritik der gegenwärtigen sozio-technischen Entwicklungen am ehesten weiter. Ein Vorabdruck.

Als der tschechische Schriftsteller Karel Čapek Anfang des 20. Jahrhunderts das utopische Drama »Werstands Universal Robots« (im Original Rossumovi Univerzální Roboti) verfasste, konnte er nicht ahnen, welchen Siegeszug Roboter tatsächlich nehmen würden. Sein Stück erzählt von einem Unternehmen, das künstlich geschaffene Menschen verkauft. Massenweise werden diese Roboter als billige Arbeiter in der Industrie eingesetzt, bis sie die gesamte Weltwirtschaft verändern. Am Ende rebellieren die Kunstmenschen und vernichten die Menschheit. Das Stück gilt als Ursprung des Begriffs »Roboter«; in den Folgejahrzehnten wurde die Utopie eines »künstlichen Menschen« in Form einer Maschine schrittweise Realität.

Auch wenn der Mensch mitnichten aus der Fabrik hinausgeworfen wurde und moderne Industrieanlagen kaum jenen humanoiden Robotern ähneln, die Čapek vorschwebten, so hat die Automatisierung die Arbeitswelt entschieden geprägt – von den hochautomatisierten Prozessen in der Automobilproduktion, über den Ersatz von Tätigkeiten durch Software bis hin zu sogenannten Chatbots, textbasierten Dialogsystemen, die telefonische Servicehotlines ersetzen oder ergänzen. Die Wortschöpfung »Industrie 4.0« suggeriert nun einen weiteren technologischen Schub, da neue, leistungsfähigere Generationen von automatisierten Systemen mit Umgebungssensibilität (Sensorik) und Lernvermögen (Künstliche Intelligenz, KI) ausgestattet und über das sogenannte Internet der Dinge vernetzt werden können.

Dies ermöglicht zwar Fortschritte in der Robotik, zentral erscheinen daneben aber vor allem die mit riesigen Datenmengen (Big Data) angereicherten Informationsströme, mit denen Unternehmen und ganze Wertschöpfungsketten schneller auf Veränderungen in der Konsumentennachfrage angepasst werden sollen. Anwendungsfelder solcher Technologien beschränken sich längst nicht auf die Fertigung materieller Güter. Automatisierung durch Software betrifft auch »immaterielle« Arbeit wie die Tätigkeit in Call Centern, in der Sachbearbeitung bei Banken und Versicherungen oder sogar in der Programmierung von Software. Cloud-basierte Plattformen, eine IT-Infrastruktur, die über Internet verfügbar gemacht wird, ermöglichen zudem neue Formen der Arbeitsteilung im »Informationsraum«. Das Spektrum reicht hier von intensiverer Kollaboration hochqualifizierter Wissensarbeiterinnen in räumlich verteilten Innovationsprozessen bis hin zu den fragmentierten Tätigkeiten prekärer Clickworker.

Eine Revolution – oder was?

»Immer wieder wird Science Fiction zur Realität«, schreiben Brynjolfsson und McAfee in ihrem vielbeachteten Buch »The Second Machine Age«. Sprunghafte oder sichtbare Entwicklungen in der Technologie treten angeblich als etwas nie Dagewesenes in Erscheinung, als »Revolution«, von der lediglich gewiss zu sein scheint, dass nichts so sein wird, wie es früher war. Wissenschaftler, Fachjournalistinnen oder Protagonisten der digitalen Ökonomie warnen schon länger vor technologischer Massenarbeitslosigkeit, der Übernahme der Macht durch Künstliche Intelligenz oder gleich beidem. Hintergrund dieser Prognosen ist, dass sich in den ersten Jahrzehnten des digitalen Zeitalters die Rechenleistung zwar stetig verdoppelte und zu einer Veränderung der Produktions- und Konsumweise führte, dass nun aber aufgrund eines exponentiellen Wachstums dieser Technologie in den nächsten Jahren mit einem qualitativen Umschlag zu rechnen sei. Von einer »KI-Revolution« spricht Kevin Drum; in seinem vielbeachteten Beitrag »You Will Lose Your Job to a Robot—and Sooner Than You Think« schreibt er: »Intelligente Roboter sind nicht nur so gut wie wir, sondern auch billiger, schneller und zuverlässiger als Menschen. Und sie können 168 Stunden pro Woche arbeiten, nicht nur 40. Kein Kapitalist mit klarem Verstand würde weiterhin Menschen beschäftigen.«

Eine solche Sichtweise macht Technik zum Fetisch; mit höheren Kräften ausgestattet bricht sie gleichsam von außen über die Gesellschaft herein und revolutioniert diese – ein technologischer Determinismus. So führen Brynjolfsson und McAfee die Polarisierung der Arbeitswelt in hoch- und niedrigqualifizierte Tätigkeiten seit den 1980er-Jahren auf die Technik selbst zurück – und nicht etwa auf die rasante Deregulierung der Reagan-Ära. Auch in kritischeren Analysen wird oft von technischer Entwicklung auf gesellschaftliche Effekte geschlossen, wenn zum Beispiel vor künftiger Vollautomatisierung gewarnt wird, der man nur mit einem bedingungslosen Grundeinkommen begegnen könne.

Mitunter verweisen an Marx orientierte kapitalismuskritische Analysen auf das berühmte Maschinenfragment, ein von Marx selbst so nicht genannter Textabschnitt aus den »Grundrissen«. Marx habe dort schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Vollautomatisierung beschrieben und hellsichtig vorhergesagt – als Möglichkeit zur Überwindung des Kapitalismus. In diesen Manuskripten aus den Jahren der ersten Weltwirtschaftskrise 1857/58 versuchte Marx, seine jahrelangen ökonomischen Studien angesichts einer vermeintlich bevorstehenden Revolution zügig zusammenzufassen. In seiner Auseinandersetzung mit der Entwicklung der großen Industrie und den Auswirkungen von Maschinerie stellt er fest, dass die »unmittelbare Arbeit« des Menschen immer mehr aufhöre, Quelle des Reichtums zu sein, sodass auch die Arbeitszeit aufhören müsse, das Maß des Reichtums zu sein, und damit auch der Tauschwert aufhöre, das Maß des Gebrauchswerts zu sein: »[D]amit bricht die auf dem Tauschwert ruhende Produktion zusammen […]«.

Neben diesen sich auf Marx beziehenden utopistischen Fortschreibungen aktueller Entwicklung werden auch soziotechnische Dystopien formuliert, etwa jene von einer lückenlosen digitalen Kontrolle der Arbeit oder einer Atomisierung der gesamten Arbeiterklasse in ein Heer soloselbstständiger Crowdworker. Solche Konfliktfelder prägen die Arbeitswelt der Zukunft und Gegenwart tatsächlich, wie Streikende bei Amazon und Beschäftigte bei Mechanical Turk, Foodora oder UBER berichten. Eine Verabsolutierung neuer Tendenzen der Automatisierung, der digitalen Kontrolle oder der Arbeit auf Plattformen reproduziert jedoch einen Technikfetisch, der einer differenzierten Deutung des zeitgenössischen Kapitalismus, aus der sich politische Strategien ableiten ließen, im Wege steht.

Der marxsche Begriff der Produktivkraft

Die Beiträge in diesem Band zeichnen ein nicht weniger kritisches, aber differenziertes Bild der aktuellen Veränderungen. Ausgangspunkt ist dabei der marxsche Begriff der Produktivkraft. Dieser hilft aus mehreren Gründen bei einer fundierteren Einschätzung der aktuellen sozio-technischen Entwicklungen.

Erstens sensibilisiert Marx’ Verwendung des Begriffs dafür, dass die Entwicklung der Produktivkräfte nicht Selbstzweck, sondern bloßes Mittel für die Kapitalakkumulation ist. Das Niveau der Produktivkraft ist nicht allein durch den Stand der Technik als solcher bestimmt, sondern »durch mannigfache Umstände […], unter anderen durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsprozesses, und durch Naturverhältnisse«.

In der Konkurrenz sind Unternehmen nun stets bestrebt, die Produktivkraft der Arbeit zu erhöhen, »wodurch die zur Produktion einer Ware gesellschaftlich erheischte Arbeitszeit verkürzt wird, ein kleineres Quantum Arbeit also die Kraft erwirbt, ein größeres Quantum Gebrauchswert zu produzieren«.7 Die Entwicklung der Produktivkräfte ist kein exogener Faktor, sondern in das Kapitalverhältnis eingeschrieben, und die Entwicklung neuer Technologien und deren Einsatz ist in hohem Maße von diesem Verhältnis geprägt. Für die Deutung des aktuellen Technologieschubs ergibt sich daraus die Notwendigkeit, den Technikeinsatz im Rahmen der Strategien des Kapitals zu verstehen: Inwiefern dient er der Erhöhung des relativen Mehrwerts und dessen Realisierung, etwa indem durch Produktinnovation oder neue Formen der Interaktion mit den Kunden Marktvorteile gegenüber der Konkurrenz gewonnen werden sollen.

So verstanden verweist der Produktivkraftbegriff die Digitalisierung auf einen, materialistisch betrachtet, bescheideneren Platz. Sie bietet sozio-technische Lösungen, die in historisch spezifische Akkumulationsstrategien integriert werden. Sie passt sich ein in Tendenzen der Flexibilisierung, Finanzialisierung, Prekarisierung und der systemischen Rationalisierung ganzer Wertschöpfungsketten, die kennzeichnend für die Produktionsmodelle der jüngeren Vergangenheit sind. Neben ihrem Beitrag zur Rationalisierung der Produktion von Mehrwert dient die Digitalisierung auch Strategien zur Erhöhung der Umschlagsgeschwindigkeit von Waren, der Diversifizierung des Angebots und der Verbesserung der Produktqualität – Maßnahmen, mit denen Konkurrenzvorteile bei der Realisierung des Mehrwerts erzielt werden sollen.

Was tatsächlich neu und revolutionär ist

Zweitens zwingt der Begriff der Produktivkraft zu einer genaueren Bestimmung dessen, was tatsächlich neu und revolutionär ist, und was nicht. Marx schreibt im Kapital: »Die moderne Industrie betrachtet und behandelt die vorhandene Form eines Produktionsprozesses nie als definitiv. Ihre technische Basis ist daher revolutionär, während die aller früheren Produktionsweisen wesentlich konservativ war.« Aus dieser historischen Perspektive erscheinen die aktuellen Umbrüche mehr oder weniger in der Kontinuität vorangegangener, im Grunde permanenter Umbrüche. Zwar thematisieren sowohl die an Schumpeter angelehnte Theorie langer Wellen als auch die Regulationstheorie, dass der Kapitalismus sich mit der Entwicklung neuer Basistechnologien sehr wohl zu »häuten« vermag. Doch stellt sich die Frage, welcher Grad an Veränderung es rechtfertigt, von einer qualitativ neuen Phase zu sprechen. In der jüngeren Diskussion haben sich eine Reihe von »Bindestrich-Kapitalismen« (Sabine Pfeiffer) etabliert, wie zum Beispiel der oft beschworene »digitale Kapitalismus« (Nachtwey/Staab), der »Überwachungskapitalismus« (Zuboff), der »Plattform-Kapitalismus« (Srnicek) oder der »kybernetische Kapitalismus« (Schaupp).

Diese Beiträge liefern bestechende Analysen bestimmter Aspekte der digitalen Ökonomie. Eine Gesamtschau dessen, wie sie sich in den Gesamtzusammenhang kapitalistischer Akkumulation einbetten und welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, steht aber noch aus.

Ein dritter Aspekt ergibt sich aus einem erweiterten Verständnis von Produktivkraft, das auch die Bedeutung von Kooperation, Qualifikation, Stand der Wissenschaft oder Hierarchien für ihr Entwicklungsniveau berücksichtigt. Der Einsatz neuer Formen der Robotik und der entsprechenden Abstimmung von Arbeits- und Produktionsprozessen bringt aufwendigere, andere und neue Formen der Kooperation mit sich, sowie Veränderungen von Qualifikationsanforderungen, Aufgabenzuschnitten und Kontrollformen. Der methodische Fehler in den meisten Prognosen zur Vollautomatisierung liegt darin, dass diese notwendige Vermittlung nicht mitgedacht wird, was zu jenem Kurzschluss zwischen abstraktem technischen Potenzial und Arbeitsmarktentwicklung führt.

Vielfach ist jedoch zu beobachten, wie der Einsatz neuer Technologien das menschliche Arbeitsvermögen stärker fordert und ohne eine aufwendige Neugestaltung der Arbeitsorganisation kaum zu realisieren ist. Ein Grund dafür liegt in der zunehmenden Komplexität von Fertigungsprozessen, deren Ausmaß erst deutlich wird, wenn wir nicht nur den einzelnen Betrieb, sondern das ganze Ensemble von »immateriellen« Tätigkeiten wie Forschung und Entwicklung, Marketing, Koordination der Teilprozesse usw. betrachten, dass die Produktion erst möglich macht. Auch neue Ansätze der Arbeitsorganisation wie »agiles Arbeiten« im Angestelltenbereich reflektieren gestiegene Flexibilitätsanforderungen. Verbunden damit sind auch höhere Anforderungen an die Fähigkeit zu »sozialen Innovationen«, mit denen das abstrakte Potenzial der Technik erst zu einem funktionierenden sozio-technischen Organismus zusammengesetzt werden kann.

Die Grenzen von Automatisierung

Dieser Blick auf den Gesamtorganismus der Wertschöpfung eröffnet eine andere Perspektive auf die Grenzen von Automatisierung. Der abstrakten Möglichkeit, bestimmte Arbeitstätigkeiten durch Maschinen zu ersetzen, steht die zunehmende Komplexität von Prozessen gegenüber, die ständig an veränderte Umweltbedingungen angepasst werden müssen. Statt von der Automatisierung eines als statisch angenommenen Arbeitsprozesses auszugehen, muss das Bild dynamisiert, der stetige Wandel der Verfahren in Rechnung gestellt werden. Die Vollautomatisierung in der Automobilindustrie wäre vermutlich schon erreicht, wenn die Produktentwicklung auf dem Stand von Fords Modell T geblieben wäre, das verhältnismäßig einfach aufgebaut und Anfang des 20. Jahrhunderts nur in einer Ausführung hergestellt wurde. Aber die Autoindustrie ist von schnellen Innovations- und Produktzyklen, einer hohen Produktvielfalt und komplexen Produktarchitekturen geprägt. Hinzu kommt die Entstehung ganz neuer Anforderungen und Sektoren, wie zum Beispiel der IT-Industrie in den letzten Jahrzehnten, in denen Arbeit auf neue Weise zur Produktion von Mehrwert eingesetzt wird. Marx’ Kapitel über die »industrielle Reservearmee« im »Kapital« bietet einen Anknüpfungspunkt für diese »dynamischere« Sichtweise. Für Marx steht nicht der stetige Aufbau einer immer höheren Sockelarbeitslosigkeit im Vordergrund, sondern die zyklische Aufnahme und Abstoßung eines Teils der Arbeitskräfte in die Kapitalakkumulation, gemäß der Logik, Prozesse stets zu rationalisieren und Arbeit »auf neuer Stufenleiter« zu vernutzen, in neuen Funktionen, in neuen Sektoren, zur Befriedigung neuen Konsums, der wiederum aufwendigere Fertigungsprozesse erfordert.

Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnisse

Diese Interpretation verweist auf eine vierte gewinnbringende Perspektive zur Deutung des Gegenwartskapitalismus: die Beziehung zwischen Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen. Unternehmensverbände und Marktforschungsinstitute prognostizieren enorme Wachstumseffekte durch den Einsatz von Robotik, Internet der Dinge und KI – und blenden dabei vollkommen aus, dass schon die sogenannte dritte industrielle Revolution, die Einführung der Mikroelektronik in wirtschaftliche Prozesse ab Anfang der 1970er-Jahre, kaum Wachstum nach sich gezogen hat. Der aktuelle Technologieschub findet im Kontext einer langen Phase schwachen Wirtschaftswachstums statt. Dies prägt die Formen des Einsatzes von Technologie und setzt ihm zugleich Grenzen.

Kim Moody weist in seinem Beitrag in diesem Band auf die gegenwärtige Investitionszurückhaltung hin, die im krassen Gegensatz zu der Behauptung steht, Unternehmen könnten sich durch den digitalen Technologieeinsatz ins Land aus Milch und Honig katapultieren. Ganz im Gegenteil erfordern Digitalisierungsstrategien höhere Investitionen in Kapitalgüter und in die Neugestaltung sozialer Prozesse. Ihre Refinanzierung und Rentabilität ist angesichts stagnierender und umkämpfter Märkte alles andere als sicher. Die sogenannte vierte industrielle Revolution verläuft daher – jenseits des Diskurses – nicht als Umwälzung, sondern eher als ein zaghafter Suchprozess, in dem Unternehmen ausgewählte Einzelprozesse verändern, um die Produktivität zu steigern. Ob es sich tatsächlich rentiert, ist offen. Ein Pumpenhersteller aus dem Westerwald zum Beispiel digitalisierte Produktionsprozesse nach dem Rezept der Industrie 4.0. Er konnte dadurch zwar diversifizieren, also mehr unterschiedliche Pumpen für den industriellen Einsatz herstellen, um nicht mehr von wenigen Großkunden abhängig zu sein. Aber die Kunden waren nicht bereit, die höheren Preise für die individualisierten Produkte zu bezahlen. Hier führten die Investitionen in Digitalisierung zu keinen höheren Profiten und faktisch bedeutete Industrie 4.0 eine Senkung der Arbeitsproduktivität.

Dieser Fall mag ein besonders drastisches Beispiel sein, doch verbirgt sich dahinter ein allgemeines Problem kapitalistischer Akkumulation: Die theoretisch denkbaren Potenziale neuer Technologien stoßen an die sozialen Grenzen von Produktionsverhältnissen, in die der Zwang zu ständigem Wachstum eingeschrieben ist. Die Tendenz des Kapitals, durch Einsparung lebendiger Arbeit Kosten zu senken, steht im Widerspruch dazu, dass die Ausbeutung lebendiger Arbeit die einzige Quelle für die Verwertung des Kapitals darstellt. Dies äußert sich auch in der Fixierung auf Technikanwendungen, mit denen durch eine Kombination von Nutzerdatenanalyse und flexibler Anpassung der Herstellungsprozesse Marktanteile erobert werden sollen. Solche Anwendungen können Unternehmen zwar Konkurrenzvorteile bieten, aber das Marktvolumen nimmt dadurch insgesamt nicht zu. Die Hoffnung auf ein technologieinduziertes Wachstum bleibt somit ein »falsches Versprechen«13 und die Möglichkeiten, diejenigen Technologien weiterzuentwickeln, die tatsächlich den gesellschaftlichen Nutzen vergrößern könnten, bleiben trotz des Hypes um Industrie 4.0 und KI beschränkt.

Dies ist ein Auszug aus dem soeben im Berliner Dietz-Verlag erschienen Band »Marx und die Roboter. Vernetzte Produktion, Künstliche Intelligenz und lebendige Arbeit«, den Sabine Nuss und Florian Butollo herausgegeben haben. Mit Beiträgen von Florian Butollo, Timo Daum, Kristina Dietz, Franza Drechsel, Christine Gerber, Felix Gnisa, Frigga Haug, Georg Jochum, Elena Louisa Lange, Christian Meyer, Kim Moody, Phoebe Moore, Nadine Müller, Sabine Nuss, Sabine Pfeiffer, Simon Schaupp, Dorothea Schmidt, Sebastian Sevignani, Karsten Uhl, Judy Wajcman. 352 Seiten, 20 Euro.

Weitere Informationen zum Band und Bezugsmöglichkeiten finden sich hier.

Geschrieben von:

Sabine Nuss

Mitherausgeberin des Portals marx200.org und Co-Geschäftsführerin des Dietz-Verlages

Florian Butollo