Wirtschaft
anders denken.

Ökonomische Sprachlosigkeit

04.09.2017
Ist das der berühmte Schlafwagen-Zug, von dem immer die Rede ist? DEWAG, Zeichnung erstellt von W. Dietmann

Das war kein Duell, sondern ein Duett. Vor allem aber eine Politinszenierung, die ein irritierendes Zeugnis ablegt: Über Fragen der politischen Ökonomie wurde praktisch überhaupt nicht geredet.

Das TV-Duell ist vorbei, die Kommentare gleichen einander: Es war eher ein Duett. Nun kann man über die Performance von Martin Schulz reden, oder über die Mimik von Angela Merkel. Man kann aber auch die Frage stellen, worüber diese Politinszenierung vor allem ein irritierendes Zeugnis ablegt: Über Fragen der politischen Ökonomie wurde praktisch überhaupt nicht geredet.

Sieht man einmal von unkonkreten Äußerungen des Sozialdemokraten zur Steuerpolitik und zur Rente ab, auch davon, dass die Christdemokratin im Wahlkampf natürlich auf sinkende Erwerbslosenzahlen und gute Konjunktur verweist, scheint es bei der Wahl Ende September um alles mögliche zu gehen, nur spielt dabei die Wirtschaft keine Rolle. Pflichtschuldige Anmerkungen zum Thema Digitalisierung, unverbundene Aussagen zur Rolle der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie, kaum ein Wort über Klimawandel, technologische Umwälzung, Verteilungsfragen.

Als ob es kein Lohnparadoxon gebe, als ob sich niemand über die säkulare Wachstumsschwäche des westlichen Kapitalismus Gedanken macht, als ob nicht wichtige Fragen wie die nach Investitionen, nach der Rolle einer insgesamt eher stagnierenden Produktivität bei der sozialen Moderation kapitalistischer Verhältnisse auf dem Tisch lägen. Das ist bei Merkel schon auffällig, bei Schulz dementiert die ökonomische Gesichtslosigkeit jedes Versprechen, die SPD wolle tatsächlich umsteuern. »Ja klar ist Deutschland ein wohlhabendes Land, aber nicht alle Menschen in unserem Land sind wohlhabend«, hat Schulz gesagt – und das war es dann auch schon.

Geschrieben von:

OXI Redaktion