Wirtschaft
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Palmöl – Das Fett im Essen und im Tank

06.05.2017
Entwaldung für den PalmoelboomFoto: Vanessa Böttcher/GLOBAL 2000 / flickr CC BY-ND 2.0Entwaldungen in Indonesien zugunsten des Palmölbooms.

Mitte April 2017 beschloss das EU-Parlament eine Resolution: Palmöl in Biosprit und den Biosprit selbst zu Fall zu bringen. Bisher bloß eine Resolution. Hier die Fakten und Informationen, warum die Resolution Wirklichkeit werden sollte.

Die Verwendung

Rund 70 Prozent des weltweit angebotenen Palmöls werden in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, etwa 25 Prozent für Kosmetik und Reinigungsmittel, der Rest, um Energie (Biodiesel) zu gewinnen. Palmöl steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt (etwa in Tiefkühlpizzen, Tütensuppen, Schokoriegeln), vor allem in industriell verarbeiteten Lebensmitteln.

Die Produktion von Palmöl

85 Prozent des Palmöls kommen aus Indonesien und Malaysia; auch in Afrika und Lateinamerika wird es angebaut. Der größte Produzent ist Indonesien, fast die Hälfte des Palmöls kommt von dort. Die EU ist nach China und Indien weltweit der drittgrößte Importeur. Mit 700 bis 1.200 US-Dollar pro Tonne ist es das billigste Pflanzenfett der Welt. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Produktion von jährlich 27,76 auf heute 64,5 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt.

Die Big Player am Markt

Wilmar International aus Singapur ist mit einem Umsatz von 44 Milliarden US-Dollar der größte Palmölkonzern der Welt. Fast die Hälfte des global gehandelten Palmöls stammt von Wilmar. Zu den Abnehmern gehören Konzerne wie Henkel, Edeka, Ferrero, Ikea, Mars, Nestlé, Procter & Gamble und Rewe. Die größten Einzelabnehmer von Palmöl sind der Konsumgüterkonzern Unilever (Knorr, Dove, Rama) mit 1,53 Millionen Tonnen pro Jahr und der finnische Biosprit-Hersteller Neste Oil mit rund 2 Millionen Tonnen.

Die Folgen

20 Prozent der weltweiten Entwaldung gingen in den vergangenen 20 Jahren auf Kosten des Palmölbooms. Allein in Indonesien wachsen Ölpalmen auf einer Fläche, die dreieinhalb Mal so groß wie die Schweiz ist. Auf der Insel Borneo, deren größter Teil zu Indonesien gehört, ist die Hälfte des Regenwaldes verschwunden. Zwei Drittel der Insel Sumatra sind mit Palmöl-Monokulturen bedeckt. Indonesien ist deshalb der drittgrößte Treibhausgas-Emittent der Welt: Werden Wälder auf Torfböden gerodet oder verbrannt, entweichen große Mengen CO2 und auch Methan in die Atmosphäre; Methan schädigt das Klima 25 Mal stärker als CO2. Da für die Produktion große Mengen Land benötigt werden, gibt es allein in Indonesien etwa 5.000 Landkonflikte. Mit Studien weisen Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie »Rettet den Regenwald« oder Greenpeace den Palmölfirmen regelmäßig nach, dass sie in Landraub, illegale Abholzungen und Gewalt gegen Indigene und Bauern verwickelt sind oder sie zu verantworten haben. Die Studien weisen ebenfalls katastrophale Arbeitsbedingungen auf den Plantagen nach – Kinderarbeit und Menschenhandel inklusive.

Die Politik der EU

2009 schrieb die Europäische Union (EU) vor, der Anteil nachwachsender Rohstoffe am Verkehr solle bis 2020 zehn Prozent betragen. Heute landet deshalb fast die Hälfte – 3,2 Millionen Tonnen – des Palmöls, das jährlich in die EU importiert wird, im Fahrzeug-Tank. Die allein dafür benötigten Palmölplantagen sind so groß wie Hessen. Das Argument dafür: Werde Pflanzenkraftstoff verbrannt, dann gelange nur so viel CO2 in die Luft, wie die Pflanze vorher gebunden habe, heißt es. Werden jedoch die Klimaschäden in den Anbauländern mit einbezogen, ist palmölbasierter Kraftstoff drei Mal so schädlich wie fossiler. Laut EU-Richtlinie dürfen nur nachwachsende Rohstoffe importiert werden, für die ein Nachhaltigkeitsnachweis vorgelegt werden kann. Die EU akzeptiert in diesem Fall das Siegel des Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Die Initiative – gegründet von der Umweltorganisation WWF, Unilever sowie der Palmölindustrie – gehören knapp 1.500 Unternehmen und rund 60 weitere NGO an. Letztere weisen den Mitglieds-Firmen jedoch trotzdem immer wieder illegale Abholzung und die Verletzung von Menschenrechten und Arbeitsschutzbestimmungen nach.

Was tun?

Das EU-Parlament beschloss Mitte April 2017 eine Resolution, nach der der Import von Palmöl in die EU eingeschränkt werden soll. Die Produktion von Palmöl, die mit der Rodung von Regenwäldern und der Verletzung von Menschenrechten in Verbindung steht, soll bis zum Jahr 2020 ausgeschlossen werden, Biokraftstoff aus Pflanzenölen wie Palmöl soll bis dahin ganz auslaufen. Aus dieser Resolution muss die EU nun ein verbindliches Gesetz machen. Und: Generell geht es darum, den Individualverkehr zu verringern. Die Macht der Lebensmittelkonzerne müsste stark begrenzt und die Position vor allem von Kleinbauern überall gestärkt werden. Statt zu ungesunder Fertignahrung greifen die Konsumenten hoffentlich mehr zu frischen, regionalen Produkten aus einer ökologischen und sozialen Landwirtschaft; und die Politik begrenzt und behindert ersteres und fördert zweiteres.

Mehr Informationen unter Rettet den Regenwald e.V.

Dieser Text ist Teil des OXI-Schwerpunktes »Wer arbeitet für unseren Wohlstand?« in der Mai-Ausgabe 2017.

Geschrieben von:

Kathrin Hartmann

Freie Journalistin