Wirtschaft
anders denken.

Protest gegen Amazons Turbo-Beschleunigung

24.11.2017
AmazonFoto: Álvaro Ibáñez / CC BY 2.0Immer schön scannen: Bei Amazon will man jederzeit über den Status jeder Ware Bescheid wissen.

Amazon garantiert die Lieferung bestellter Produkte binnen kürzester Zeit. An diesem Freitag, dem »Black Friday«, will Amazon sich noch übertreffen: Innerhalb von nur zwei Stunden sollen KundInnen in Berlin die Waren angeliefert bekommen. Damit treibt Amazon den Beschleunigungskapitalismus auf die Spitze. Doch es sind auch Proteste geplant.

Das Geschäftsmodell Amazon steht schon seit langem in der Kritik. Nicht nur die Verdrängung des Einzelhandels, bisher vor allem des lokalen Buchhandels, und die angestrebte Monopolstellung werden moniert. Auch die Arbeitsbedingungen beim Onlinehändler ziehen Kritik auf sich. Seit Jahren kämpfen die Beschäftgten an den neun deutschen Amazonstandorten für einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzelhandel, der Konzern blockiert. Auch diese Woche wird wieder gestreikt, gestern schon in Rheinberg und Leipzig, heute außer in diesen beiden Standorten auch in Bad Hersfeld, Koblenz , Werne und Graben.

Die Arbeit bei Amazon ist nicht nur körperlich anstrengend, die Beschäftigten werden nach Angaben der Gewerkschaft auch auf Schritt und Tritt überwacht. Aus dem Ziel der Highspeed-Lieferung ergib sich die Notwendigkeit, lückenloser Kontrolle. Beschäftigte in den Versandzentren müssen einen Scanner bei sich tragen. Zum einen dient das zur Kontrolle der Warenflüsse: Welcher Artikel liegt in welchem Fach, ist er schon lieferfertig, wo kann er abgeholt werden, jetzt befindet er sich auf dem Wagen. Doch weil jeder Scanner einer Person zugeordnet ist, wird auch jeder Arbeitsschritt der Beschäftigten protokolliert und überwacht. »Das System war sogar so programmiert, dass es ›Inaktivitätsprotokolle‹ erstellt, dass es Alarm schlägt, wenn jemand zu lange nichts gescannt hat. Dann wurden die Mitarbeiter direkt von den Managern angesprochen und gefragt, warum es Probleme gibt«, erzählt Chistian Krähling, der im Amazon Logistikzentrum Bad Hersfeld arbeitet. Inzwischen habe man es aber mit Hilfe des Betriebsrats geschafft, diese Praxis zu unterbinden. Gespeichert werden die Daten trotzdem.

Die Arbeitsbedingungen bei Amazon gelten vielen als Ausblick in die Zukunft der Arbeitswelt. Als Gigant unter den Logistik- und Internetunternehmen prägt das, was Amazon tut, die Bedingungen, unter denen Waren insgesamt gehandelt und zunehmend auch produziert werden. Das »Smart Home« und die »Smart City«, in denen Haushalte und ganze Städte, auf »intelligente« Weise miteinander vernetzt, ihre Logistik selbst in die Hand nehmen, sind die Richtung in die Konzernchef Jeff Bezos plant. Wenn Amazon, wie aktuell, selbstständige PaketbotInnen sucht, ist Misstrauen angebracht.

Die geplante Blockade der Just-in-Time-Lieferung am Berliner Innenstadtversandlager ebenso wie die Arbeitskämpfe der Beschäftigten (außer in sechs der neun deutschen Standorten sind auch in Italien Streiks geplant) sind auch aus diesem Grund interessant. Wenn die Arbeit bei Amazon ein Modell für die Zukunft sind, dann lässt sich aus dem Ablauf der Arbeitskämpfe im Unternehmen vermutlich auch einiges über die Zukunft der Klassenkämpfe erfahren.

Geschrieben von:

OXI Redaktion