Wirtschaft
anders denken.

So wahr mir Sam helfe

04.10.2016

OXI-Titelthema USA

In den 1980er Jahren holt er sich Hillary Clinton als erste Frau in den Aufsichtsrat. Die Rede ist von Sam Walton. Als er 1992 stirbt, ist er der reichste Mann Amerikas. Wie hat er das geschafft?

Als er eine Wette verliert zu einer Zeit, in der er schon mehr Geld auf dem Konto hat als jeder andere Mensch in den USA, zieht er, so erzählt man sich, einen Bastrock an und tanzt unter Ukulele-Klängen die Wall-Street hinunter. Nach seinem Tod 1992 besitzt seine Familie genau so viel Geld wie die unteren dreißig Prozent der US-Bevölkerung. Drei Jahrzehnte vorher, im Sommer 1962, eröffnet Sam Walton seinen ersten eigenen Laden unter dem Motto, jeden Tag die günstigsten Preise; eben Discount (englisch Preisnachlass, Rabatt).

Große Mengen billig einkaufen und zu kleinen Preisen schnell umsetzen, diese Grundidee alleine macht aus seinem Laden noch nicht Wal-Mart. Von Bentonville aus, einem zehntausend Einwohner Städtchen in Arkansas, überzieht Waltons Unternehmen die Region mit fensterlosen Warenverkaufslagern an Stadträndern, betoniert Großparkplätze in die Landschaft, ruiniert die Geschäfte in den Innenstädten und holt sich übrigens in den 1980er Jahren Hillary Clinton als erste Frau in den Aufsichtsrat. Nicht zuletzt mit asiatischen Billigprodukten gelingt ihm unter öffentlichem Beifall eine Kampagne »Buy American« (kaufe amerikanisch).

Während immer lauter von schlecht bezahlten Mitarbeitern, einem unbarmherzigen Betriebsklima und bösen sozialen Zuständen die Rede ist, spricht Sam Walton gerne über einen Wal-Mart-Arbeiter, der mit einem zweihunderttausend Dollar dicken Aktienpaket in Rente gegangen sei. Ob mit Hungerlohn oder Aktienpaket, Mitarbeiter hatten einen Eid zu schwören: »Von diesem Tag an gelobe ich hoch und heilig, dass jeder Kunde, der zehn Fuß oder weniger von mir entfernt ist, mit Blickkontakt und einem Lächeln begrüßt wird, so wahr mir Sam helfe.«

Geschrieben von:

Frank Baier

Publizist