Wirtschaft
anders denken.

Superreiche werden reicher und zahlreicher

26.10.2017
Qypchak / CC BY 3.0

Die Konzentration der Vermögen in den Händen weniger nimmt zu. Der Reichtum der Milliardäre ist zusammen etwa so groß wie die Wirtschaftsleistung von Mexiko, Spanien, Australien, Russland und Südkorea zusammen. Und: Die Superreichen werden immer reicher und zahlreicher, vor allem in Asien.

So hat sich die Zahl der Milliardäre laut den Wirtschaftsprüfern von PwC und der Schweizer Bank UBS im vergangenen Jahr auf weltweit 1.542 erhöht – ein Plus von zehn Prozent. Das Vermögen der Superreichen wuchs um 17 Prozent auf den Rekordwert von 6 Billionen US-Dollar.

Treiber dafür waren unter anderem die steigenden Rohstoff- und Immobilienpreise. Berücksichtigt wurden laut PwC und UBS das Gesamtvermögen einschließlich Immobilien und Kunstobjekten. Wie reich die Superreichen wirklich sind, dürfe aber kaum zu ermitteln sein. Angesichts fehlender strenger Regeln etwa zu Vermögensbesteuerung dürften die Zahlen ungenau bleiben.

PwC und UBS tragen die Daten ohnehin nicht zur Umverteilung des Reichtums von oben nach unten zusammen, sondern um ihren »Kunden, die einen von zwei Milliardären der Welt ausmachen, immer einen Schritt voraus zu sein und ihnen eine maßgeschneiderte Beratung anbieten zu können«.

Asien: Alle zwei Tage ein neuer Milliardär

Global verändert sich die Szene des Superreichtums aber immer mehr. Man habe »eine deutliche Verschiebung seiner geografischen Dimensionen erlebt«, wird Josef Stadler von der UBS zitiert. »Das dramatische Wachstum des asiatischen Reichtums zeigt, dass es die USA in nur vier Jahren überholen könnte.« Laut der Daten gab es in Asien zum ersten Mal seit Erhebung mehr Milliardäre (637) als in den USA (563). »Im Durchschnitt wurde in Asien alle zwei Tage ein neuer Milliardär geschaffen.«

In China werden nun 318 Milliardäre gezählt, 67 mehr als 2015. In Indien stieg die Zahl um 16 auf 100. »Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte Asien innerhalb der kommenden vier Jahre auch beim Gesamtvermögen an den USA vorbeiziehen«, so Markus Hammer von PwC Deutschland. Für Europa werdne 342 Milliardäre ausgewiesen, 117 davon in der Bundesrepublik. Auf der Liste danach folgen Großbritannien (55), Italien (42), Frankreich (39) und der Schweiz (35).

Neue Zahlen auch von »Forbes« und »Hurun«

PwC und UBS gehen davon aus, dass die Konzentration des Superreichtums weitergeht. On den nächsten zwei Jahrzehnten werde »ein Milliardenvermögen von schätzungsweise 2,4 Billionen US-Dollar transferiert« – durch Schenkungen, Erbschaften und so weiter. Die in der Studie dokumentierte Entwicklung in Europa zeigt dies bereits: Es wurden 24 neue Milliardäre gezählt und 21 verschwanden aus der Liste – ein Drittel davon starb. Das ist ein Signal dafür, wie sich Superreichtum über Generationen hält.

Bereits vor einigen Tagen hatte das Magazin »Forbes« seine Liste der reichsten US-Bürger veröffentlicht. Ganz oben steht seit 24 Jahren der Gründer des Softwarekonzerns Microsoft, Bill Gates – sein Vermögen soll 89 Milliarden US-Dollar betragen. Danach rangiert der Gründer des Online-Warenhauses Amazon, Jeff Bezos. Die Rangliste verändert sich allerdings, das Magazin will angeblich das Vermögen in »real time« erfassen.

Auf der »Forbes«-Liste stehen 400 Milliardäre (also weniger, als PwC und UBS erfassen). Ihr Reichtum betrug zusammengerechnet 2,7 Billionen US-Dollar – 300 Milliarden mehr im Vergleich zum Vorjahr. PwC und UBS taxieren das Vermögen der US-Milliardäre dagegen auf 2,8 Billionen US-Dollar.

2.130 Chinesen besitzen mindestens 300 Millionen

Was die Entwicklung in China angeht gibt es noch eine andere Übersicht: die Reichenliste des »Hurun«-Magazins. Laut dieser steht in dem Land der Bauunternehmer Xu Jiayin ganz oben in den Vermögenscharts – mit 43 Milliarden US-Dollar. Wang Jianlin, Besitzer des Immobilien- und Unterhaltungskonzerns Wanda, rutschte von Platz 1 auf Platz 5 (mit 23 Milliarden US-Dollar) – sein Unternehmen hatte die Hollywood-Studios Legendary für 3,5 Milliarden US-Dollar erworben.

Auf Platz zwei steht nun Pony Ma, Chef des Internet-Konzerns Tencent, dessen Vermögen mit 37 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Jack Ma vom Internet-Giganten Alibaba steht laut der »Hurun«-Liste mit 30 Milliarden US-Dollar auf Platz 3. Insgesamt zählte das Magazin 647 Milliardäre – das sind 53 mehr als im Jahr davor. Mindestens 2.130 Chinesen besitzen ein Vermögen von mindestens 300 Millionen US-Dollar. »Hurun« kommt damit auf leicht andere Zahlen als PwC und UBS.

Geschrieben von:

OXI Redaktion