Wirtschaft
anders denken.

Wieso, weshalb, warum wir OXI machen

Emanzipation setzt Klarheit voraus.

Die Dinge beim Namen nennen. Ohne Klärung keine Aufklärung. Es gibt viel zu entdecken, zu unterscheiden, zu erklären, aufzuklären – dazu wollen wir einen journalistischen Beitrag leisten. Uns treibt keine parteipolitische Mission, sondern eine Haltung: Wir sind der Solidarität, der Emanzipation, der Vernunft und der Aufklärung verpflichtet. Nicht abstrakt, sondern konkret: Was sich im Alltag der Mehrheit der Menschen nicht im Guten als Freiheit und Wohlstand niederschlägt, taugt nichts. Wir schätzen viele Ideen und Forderungen, die bei sozialen Bewegungen, Gewerkschaften, Frauen- und Umweltverbänden, auch Parteien links der Mitte eine Rolle spielen – aber wir halten uns von den Apparaten kritisch fern.

Wer wach beobachtet, spürt, da braut sich etwas zusammen.

Wohin sie und er blicken, eine Krise mit unterschiedlichsten Gesichtern schaut zurück. Die Welt wäre mit leichter Hand in der Lage, ein halbwegs gutes Leben für alle zu produzieren. Aber: Der Reichtum und die Macht der einen, wird auf Kosten der anderen produziert und vermehrt. Der materielle Reichtum von Wenigen und deren stumme Macht sind auch in Deutschland unfassbar groß. Ebenso die Armut. Und wer daran grundlegend etwas ändern will, hat Schwierigkeiten, dafür Vertrauen und Wählerstimmen zu gewinnen. Die Flüchtlingshilfe wird einer Kosten-Nutzen-Kalkulation unterworfen. Gewirtschaftet wird nach Regeln, als führten wir gegeneinander und gegen andere Länder Krieg um Wachstum und Gewinne und wollten nicht das Leben verbessern. KritikerInnen defilieren (wieder einmal) am Sterbebett des Kapitalismus. Seine ParteigängerInnen huldigen dagegen unter Jubelchören von Werbung und PR ihren Wirtschaftsstars, verweisen auf Wachstum und Export-Überschüsse: Der deutsche Kapitalismus lebt! Eine Kanzlerin vermarktet die Demokratie. Die Politik folgt eher Anleihemärkten, weniger Wahlergebnissen. Das Dogma des ewigen Wachstums ignoriert die Endlichkeit der Ressourcen, die ökologischen Zerstörungen werden übertüncht, die tiefgreifend andere rettende Politik wird in die Zukunft vertagt.

Kleine Erfolge gegen diese Tendenzen heißen unter anderem Mindestlohn. Neue Produktionsverfahren und das digitalisierte Arbeitsleben bieten Optionen auf eine bessere Zukunft, machen Beschäftigte jedoch bisher meist zu Gehetzten. Wer prekär arbeiten muss, geht seltener als andere zur Wahl. Das alles verändert den Alltag, das politische Leben, den Menschen. Eine Opposition dagegen gibt es: die von rechts ist bald die stärkste.

Dabei sind die Verhältnisse in Deutschland noch Gold – verglichen mit denen in Griechenland, Spanien, Portugal, Argentinien, Bangladesch…. . Letzteres hängt – nicht nur, aber auch – mit Ersterem zusammen.

Alternativen und Ansätze zu Lösungen gibt es. Oft isoliert und so klein, dass sie übersehen oder leicht bekämpft werden können.

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Wir sind neugierig auf diese Alternativen, Projekte und Lösungen und haben Lust, mitzuhelfen, sie zu heben und zu einem öffentlichen Thema zu machen.

Das Nein der Griechen

OXI – die Erinnerung an das Nein der Griechen bleibt lebendig, als sie im Juli 2015 darüber abstimmten, wie die Wirtschaftspolitik ihres Landes auszusehen hat; was künftig überall Regel und nicht Ausnahme sein soll. Der Zweifel und das Nein stehen am Anfang jeder Klärung. Dass es so nicht weitergehen darf, wirft die Frage auf, wie geht es weiter und wie kann die Zukunft gestaltet werden. Das Nein ist die Wurzel der Freiheit. Erst wer Nein sagen kann, ist frei. Aber nur ein Nein reicht noch nicht für eine gute Alternative, für ein gutes Zusammenleben. So ist jedes Nein der Aufbruch zu einer Suche nach dem Besseren.

Wir sind optimistisch und schätzen Gewinn und Faszination der vielen kleinen Verbesserungen, die Menschen handfest und sichtbar auf den Weg bringen – und nicht nur die großen Ideen und Entwürfe.

Wir schätzen die Vorteile des Netzes.

Deshalb betreiben wir einen Blog für die schnelle anregende Intervention, den schrägen Gedanken, das kurze Interview, die vielsagende Statistik, die zusätzliche Information, die provokative Anregung. Und wir finden, machten wir nur den, es fehlte uns die Monatszeitung OXI: das gut gestaltete Blatt, gedruckt und digital vertrieben, mit den ausgewählten wichtigsten Themen, den gründlich erarbeiteten Analysen und den großen Interviews. Die Mischung machts – Blog+Blatt.

Wir schätzen die hohe Urteilskraft unserer interessierten Leserinnen und Leser, in denen wir keine Konsumenten, sondern Bürgerinnen und Bürger sehen. Wir konzentrieren uns deshalb darauf, mit Analysen, Fakten und Argumenten ihr Wissen zu stärken.

Obwohl das Ökonomische inzwischen in fast alle Poren von Arbeit und Leben eindringt, sagen viele: Hör mir auf damit, das verstehe ich nicht. Es ist unser Anliegen, verständlich und anschaulich zu schreiben.

Wir haben eine Haltung. Deshalb pflegen wir das Prinzip des 360 Grad-Journalismus: das heißt, bei jedem Thema immer die ganze Sache in den Blick nehmen, von allen Seiten. Das ist eine Dienstleistung für unser Publikum: Es soll auch von den Argumenten und Fakten erfahren, die dagegen sprechen. Nur so werden Themen spannend, wird Mündigkeit befördert, Engstirnigkeit und Dogmatismus verhindert. Aufklärung funktioniert vielstimmig und bunt oder gar nicht.

Kapitalismus

Das ist das Wirtschaftssystem, das sich die Gesellschaft untertan und den Alltag bestimmen will. Sich zu verständigen, wie diese Wirtschaft vom Diktator zum Dienstleister einer demokratischen Gesellschaft werden kann, ist Programm von OXI-Blog+Blatt. Kein Mensch hat etwas gegen Wirtschaft. Wirtschaft versorgt und sorgt vor, bietet Erwerbsarbeit, Sinn und schafft Wohlstand. Das Kapital, das Geld, hat dagegen nur das eine Ziel: sich zu vermehren, weshalb es Natur und Arbeit zur Ausbeutung zu unterwerfen sucht. Keine Gesellschaft lässt sich das bieten. Die gute Tradition der selbstverständlichen Kritik an Technik, Produkten und (sexualisierter) Werbung wiederzubeleben, das gehört deshalb auch zu unserem Programm. Alte und neue soziale Bewegungen – Gewerkschaften, Umwelt- und Frauenbewegung – haben Schranken errichtet, sie setzen Grenzen. An der produktiven wie zerstörerischen Dynamik der kapitalistischen Ökonomie hat sich jedoch trotzdem bisher nichts Wesentliches geändert.

Zu begreifen, was geschieht, zu überlegen, was wie besser werden kann und sich zusammenzutun, um aus dieser Ökonomie den Teil einer demokratischen Gesellschaft zu machen, dabei wollen wir mithelfen.

Über die Zerstückelung der Gesellschaft

In Gesellschaft und Alltag der Menschen steckt so viel Wirtschaft, in der Wirtschaft stecken wiederum so viel Politik und Gesellschaft, dass es absurd ist, diese Sphären zu trennen. Wer die Welt zerstückelt, der wird das Wesentliche nicht sehen. OXI-Blog+Blatt analysieren deshalb Wirtschaft als Ereignis und Teil der Gesellschaft und wollen den Autorinnen, Autoren und Projekten Raum geben, die an guten Alternativen zum Heute arbeiten. Freiheit ist keine persönliche Eigenschaft, sondern nur lebbar, wenn die Gesellschaft die Voraussetzungen dafür liefert und diese auch für alle gegeben sind. Die Wirtschaft fähig zu Freiheit und Demokratie zu machen, darum geht es, denn nur so kann sie wieder Teil der Gesellschaft werden.

Die These, es gebe keine großen Erzählungen mehr, teilen wir nicht.

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Denn die des Marktradikalismus ist eine. Das Problem ist, dass die Bilder und Ideen, die dagegen gehalten werden, bisher unverschränkt und deshalb Episoden bleiben. Episoden, aus denen jedoch eine große Erzählung werden kann.

In diesem Sinne schreiben die Autorinnen und Autoren von Blog und Monatszeitung in aller Bescheidenheit mit an der großen Erzählung, die sich dem Weltbild des Marktradikalismus entgegenstellt. Der sieht den Menschen einseitig als Maschine zur Maximierung des eigenen Vorteils und predigt, wer sich nach seinen Regeln verhalte, werde mit Erfolg belohnt. Deshalb beruht der Marktradikalismus auf einem Denkfehler. Er ist eine Ideologie im Sinne von „falschem Bewusstsein“. Eine Ideologie, die irreführend das Ich groß macht und Staat und Gesellschaft klein.

Im Mittelpunkt der gegnerischen großen Erzählung, an der wir mitschreiben, steht deshalb ein starkes souveränes Ich, dem jedoch bewusst ist: Es kann nur stark sein, wenn Gesellschaft und Staat, also das Kollektiv, ebenfalls stark und groß sind. Das autonome und souveräne Ich braucht die starke Gesellschaft, und eine Gesellschaft ist wiederum nur stark, wenn sie aus möglichst vielen starken Ichs besteht.