Wirtschaft
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Ungleiche Staaten von Amerika: Wo die Einkommenskluft in den USA am schnellsten wächst

20.07.2018
Ingfbruno / CC BY-SA 3.0

Die Ungleichheit bei den Einkommen wächst in den USA nicht überall gleich stark. Das Economic Policy Institute bringt nun genau Daten für einzelne Regionen. Mancherorts »verdient« das oberste 1 Prozent im Schnitt 142 Mal so viel wie die restlichen 99 Prozent der Bevölkerung.

Dass die Ungleichheit seit Jahren wächst, ist wahrlich keine Neuigkeit mehr. Das Economic Policy Institute hat nun auf Basis der neuesten verfügbaren Daten für die USA eine Art Landkarte des Auseinanderdriftens bei den Einkommen vorgelegt – es geht im Kern darum, wie sich in jedem Bundesstaat die Einkommen entwickelt haben, das Institut hat dazu Zahlenreihen von 1917 bis 2015. Untersucht wurde für den Bericht die Entwicklung der Einkommen vor Steuern und vor Transfer. (Hier gibt es aktuelle Zahlen zur Armutsbedrohung in den USA.)

Dabei zeigt sich, das im landesweiten Durchschnitt die obersten 1 Prozent der Einkommensbezieher kaum überdurchschnittlich vom Einkommenswachstum profitierten, von 1945 bis 1973 sei das Einkommen »weitgehend geteilt« worden, bei den oberen 1 Prozent landeten 4,9 Prozent des gesamten Einkommenswachstums. Von 1973 bis 2007 war die Verteilung dann »sehr ungleich«, in diesem Zeitraum ging weit über die Hälfte (58,7 Prozent) des gesamten Einkommenswachstums an das oberste 1 Prozent.

Seitdem die US-Ökonomie nach der Rezession im Gefolge der Krise von 2007 und der Folgejahre wieder Richtung Erholung drehte, kehrt dieses Muster der Ungleichverteilung wieder zurück: Das oberste 1 Prozent erhielt vom Einkommenswachstum den enormen Anteil von 41,8 Prozent, immerhin deutlich weniger als im Vergleich zur Periode von 2009 bis 2013, in der sogar 85,1 Prozent an das oberste 1 Prozent ging.

Insgesamt hätten die Einkommen der 99 Prozent seit dem letzten Verteilungsbericht des Economic Policy Institute für die USA zwar vor dem Hintergrund einer sich verstärkenden Wirtschaft verbessert. »Aber die Kluft zwischen den oberen 1 Prozent und allen anderen ist in den meisten Staaten, die wir hier untersuchen, immer noch größer geworden«, heißt es in dem neuen Report. 2015 erhielt das oberste 1 Prozent der Familien im Durchschnitt ein 26,3 Mal so hohes Einkommen wie der Rest – im Jahr 2013 lag diese Wert noch bei 25,3 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das für 2015: das oberste 1 Prozent hatte ein Durchschnittseinkommen von 1,316 Millionen US-Dollar, die 99 Prozent ein Durchschnittseinkommen von 50.107 US-Dollar.

Die Daten beziehen sich wie gesagt auf den jeweiligen Durchschnitt, das heißt, sie geben Auskunft über das Ausmaß der Ungleichheit in bestimmten Regionen – die Kluft zwischen einzelnen Einkommen kann natürlich noch viel höher sein. Interessant ist die regionale Auflösung der Daten, die praktisch eine Landkarte der Ungleichheit erlaubt. In acht Bundesstaaten und im District of Columbia ist die Ungleichheit größer als im Landesschnitt, dasselbe gilt für 45 von 916 Ballungsräumen beziehungsweise 139 von 3.061 Landkreisen.

»Am ungleichsten war der Großraum Jackson, der sich über Wyoming und Idaho erstreckt; dort verdienten die ersten 1 Prozent im Jahr 2015 durchschnittlich das 132-fache des Durchschnittseinkommen der unteren 99 Prozent der Familien.« In absoluten Zahlen bedeutet das für 2015: das oberste 1 Prozent der USA hatte ein Durchschnittseinkommen von rund 16,2 Millionen US-Dollar, die 99 Prozent ein Durchschnittseinkommen von 122.447 US-Dollar. Hier liegt auch Teton County in Wyoming, wo mit dem im Schnitt 142,2-fachen die Ungleichheitslücke zwischen den obersten 1 Prozent und den 99 Prozent am größten ist.

Foto: Ingfbruno / CC BY-SA 3.0

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OXI Redaktion