Wirtschaft für Gesellschaft.
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Wie lässt sich ökonomischer Wandel gestalten?

Drei Ziegen gucken in die KameraFoto: Jürg Stuker / Flickr CC-BY-NC 2.0 LizenzWovon diese Ziegen träumen? Vielleicht vom Leben in einer Landkommune.

Die Initiative Wachstumswende bringt Menschen zusammen, die an einer Gesellschaft jenseits von Wachstumszwängen arbeiten wollen. Es geht um konkrete Projekte.

Das Netzwerk Wachstumswende gibt es noch nicht so lange. Es ist unvollkommen, ganz am Anfang oder mittendrin – je nachdem, wie sehr man bereit ist, dem Weg zu huldigen, auch wenn das Ziel noch nicht ganz klar umrissen ist.

Wachstumswende ist eine Internetplattform, die das Angebot zur Vernetzung und Kollaboration unterbreitet. »Das Netzwerk Wachstumswende dient dazu, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam an Lösungen für eine Gesellschaft jenseits von Wachstumszwängen arbeiten wollen«, heißt es auf der Startseite.

Offizieller Kooperationspartner ist www.degrowth.de – aber bevor man auf diese Seite geht, um sich dort mit dem Thema »Postwachstum – wie sehen die Alternativen aus?« zu befassen, vielleicht erst einmal auf Wachstumswende verweilen.

Viele Ideen, die auf wachstumswende.de formuliert sind, haben es noch nicht geschafft, eine Initiative zu werden. Das ist die Crux. Das Portal wird nur belebt, wenn sich Menschen zusammenfinden, die über eine Idee hinaus bereit sind, schon mal anzufangen. Einigen ist es gelungen. Die Acker-AG beispielsweise hat sich die Aufgabe gestellt, Möglichkeiten zu suchen und auszuprobieren, Landgrabbing zu stoppen und Ackerflächen für kleinbäuerliche Strukturen zur Verfügung zu stellen.

Ganz viel Land in Beelitz

www.ganzviel.land ist eine bereits gewachsene Gruppe, die nach einem Ort sucht, an dem sich gemeinsam arbeiten und leben lässt. Teil einer Bewegung für eine profitlose, solidarische Gesellschaft – keine Spinner, keine Sektierer, aber anders schon. Die Gruppe entwickelt derzeit ein Konzept für ein ganz konkretes Stück Land in der Nähe von Beelitz, das sich für Land- und Forstwirtschaft, Handwerk, Wohnen, Sozialprojekte, als Zentrum für Vernetzung und Dorfgemeinschaft zugleich eignet. Das Gelände ist halb so groß wie Monaco, bereits in den 1930er Jahren bebaut worden und beherbergte zuletzt das »Pfötchenhotel«, eine Tierpension, die Insolvenz anmelden musste. Das Konzept ist im Entstehen – mühevoll der Prozess, wie immer, wenn die Strukturen erst gefunden werden müssen und sich eine Idee manifestieren soll, der von vielen abgesprochen wird, dass sie überhaupt funktioniert.

Ein wichtiger Baustein für eine künftige Welt ohne Ausbeutung von Mensch und Natur liege in einer anderen Art zu leben und zu wirtschaften, wie sie in manchen Genossenschaften, der solidarischen Landwirtschaft, in Kollektiven und informellen Zusammenhängen zum Teil schon seit langem und unter verschiedenen Namen praktiziert und weiterentwickelt werde, sagen die InitiatorInnen. Diese Art zu wirtschaften und zu leben und dafür Konzepte zu entwickeln, hat viele Namen: Solidarische Ökonomie, Gemeinwohlökonomie, Degrowth, Beitragen statt Tauschen, Collaborative Economy, Transition Towns, Intentional Communities. Was sie eint, ist der Versuch, sich der geltenden Wachstumslogik entgegenzustellen und an etwas anderes an ihre Stelle zu setzen.

Womit wir wieder beim Thema Degrowth wären. Zur Degrowth Konferenz in Paris 2008 kamen 150 TeilnehmerInnen; 2015 in Leipzig waren es bereits über 3.000. Und im letzten Jahr fand in Berlin die SoliKon 2015 statt, ein Kongress für solidarische Ökonomie, der ein breites Spektrum der Alternativen in Deutschland und der Welt präsentierte.

Geschrieben von:

Kathrin Gerlof

Kathrin Gerlof hat Journalistik in Leipzig studiert, viele Jahre als Redakteurin bei Tageszeitungen gearbeitet...