Wirtschaft
anders denken.

Weltmarkt und Krise: die nächste Marx-Herbstschule steht bevor

06.09.2018
Sabine NussBei der Marx-Herbstschule im vergangenen Jahr.

Um den Zusammenhang zwischen Weltmarkt und Krise geht es in der diesjährigen Marx-Herbstschule – mit Lesekursen und zwei Abendpodien Ende Oktober in Berlin. Eine Vorschau.

In der letzten Ausgabe ging es um den Begriff der Arbeit, jenen »Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht«. In diesem Jahr nun nimmt sich die Marx-Herbstschule das Thema »Weltmarkt und Krise« vor. Was heute in der Regel unter »Globalisierung« firmiert, hieß beim Alten aus Trier schlicht »Weltmarkt«, eine aus der expansiven kapitalistischen Dynamik notwendig folgende »kosmopolitische Gestaltung«: So werden immer mehr Bereiche des Lebens und der Produktion sowie immer mehr Orte auf der Welt von der Logik der Verwertung und Profitmaximierung erobert, wie es in der Einladung zur diesjährigen Marx-Herbstschule heißt. (Hier geht es zur Anmeldung.)

Auf der anderen Seite die »Krise«, die nun angesichts des zehnjährigen Jubiläums der jüngsten größeren in vieler Munde ist – meist als Abweichung einer sonst für gegeben gehaltenen »Normalität«, die durch Fehlverhalten (Finanzakteure) hervorgerufen und deren Wiederholungsrisiko durch hinreichend politische Regulierung zumindest eingedämmt werden kann. Von Marx her gedacht gehört es zu den Standards, dies als falsch zurückzuweisen. »Krisen entstehen nach Marx aus dem ganz normalen Verwertungsprozess des Kapitals selbst und seiner ungeheuren Dynamik. In Krisenzeiten wird die kapitalistische Produktionsweise zudem keineswegs, auch wenn es so scheint, unterbrochen oder bricht gar zusammen. Sie wird vielmehr gewaltsam aufrechterhalten.« 

Um den Zusammenhang zwischen Weltmarkt und Krise dreht sich die dreitägige Herbstschule, die in Berlin vom 26. bis 28. Oktober stattfindet und von der Hellen Panke, der Luxemburg-Stiftung, den linken Gruppen Top B3rlin und …umsGanze!-Bündnis sowie dem Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition ausgerichtet wird – wir von »OXI« sind in diesem Jahr erstmals Medienpartner.

Die Herbstschulen sind Lektüre-Seminare – TeilnehmerInnen werden in Arbeitsgruppen mit verschiedenen Vorkenntnissen aufgeteilt, man nimmt sich ausgewählte Marx-Texte vor, sozusagen »betreutes Lesen«, die Begleitung findet durch »erfahrene TeamerInnen aus dem Kreis der Vorbereitungsgruppen« und aus den »Kapital-Lesekreisen der Rosa-Luxemburg-Stiftung« statt. Ziel sei, so die Herbstschule: »in gemeinsamer Lektüre und Diskussion ein genaueres Verständnis der zentralen Problemstellungen der Marxschen Kapitalismuskritik zu erarbeiten«.

Für das Thema der diesjährigen Ausgabe »Weltmarkt und Krise« heißt das einen Dreischritt: die Lektüre startet mit tagespolitischen Artikeln von Marx zu den Krisen seiner Zeit, dann geht es um Texte, die um das revolutionäre Jahr 1848 herum erschienen sind und in denen Marx sich mit den weltweiten revolutionären Umbrüchen auseinandersetzt, und schließlich drittens um »einschlägige Passagen aus den drei Bänden des Kapital, in denen Marx im Zuge seiner Analyse der kapitalistischen Produktionsweise auch die Notwendigkeit von Krisen begründet«.

Wer weniger auf Seminar und eher auf Vorlesung steht, sollte sich den Termin aber auch eintragen. Am Samstagabend, den 27. Oktober, spricht Heide Gerstenberger »über Marx und über Bretton Woods«, es geht also um Kritik der Politischen Ökonomie und den Zusammenbruch der Nachkriegs-Währungsordnung in den 1970er Jahren und die Rolle, die das für die Krisen des Kapitalismus spielte. Einblicke in Gerstenbergers Argumentation dazu finden sich hier und hier; ausführlich widmet sich Gerstenberger in ihrem Buch »Markt und Gewalt. Die Funktionsweise des historischen Kapitalismus« dem Thema.

Am Sonntag sprechen dann Michael Heinrich und Klaus-Dieter Block über »Marx‘ Überlegungen zu Weltmarkt und Krise«. Heinrich gehört zu den aktuell bekanntesten Marx-Forschern und arbeitet unter anderem an einer mehrbändigen Biografie, Block gehörte als habilitierter Ökonom in der DDR zum Kreis der dortigen Marx-Forscher.

Geschrieben von:

OXI Redaktion