Wirtschaft
anders denken.

Zuwachs für Grüne und AfD: Wie GewerkschafterInnen in Bayern gewählt haben

15.10.2018
Bernd Schwabe in Hannover / CC BY-SA 4.0

Wie haben GewerkschafterInnen bei der Landtagswahl in Bayern gewählt? Der DGB hat seine traditionelle »einblick«-Wahlgrafiken zur Abstimmung vom Sonntag bereits veröffentlicht. Das auffälligste Ergebnis: starker Zuwachs bei organisierten KollegInnen für die Grünen und die AfD. 

Schaut man genauer hin, wird allerdings auch deutlich, dass die Zustimmung für die Grünen im Vergleich zu früheren Landtagswahlen im Freistaat zwar deutlich gestiegen ist – sie hat sich mehr als verdoppelt und liegt bei organisierten Kolleginnen mit 19 Prozent noch über dem Gesamtergebnis, bei den Gewerkschaftern sind es nur 12,6 Prozent.

Fehlender Rückenwind und Grundewerte-Fragen: Die Linkspartei und die Bayern-Wahl. Ein OXI-Überblick

Zusammengenommen liegen die Grünen-Ergebnisse im Gewerkschaftslager aber unter dem Landesergebnis (14,3 Prozent zu 17,5 Prozent), bei der Rechtspartei AfD ist es umgekehrt: 14,5 Prozent zu 10,2 Prozent. Dieser Zuwachs ist besonders schmerzlich, haben die Gewerkschaften doch stets betont, dass die nationalistische Demagogie der AfD alles andere als »im Klasseninteresse« ist.

Die Zustimmung für CSU und SPD ist derweil im Gewerkschaftslager drastisch eingebrochen. Für die Regierungspartei kreuzten zwar noch 31,8 Prozent der organisierten KollegInnen an, 2013 waren es allerdings noch 40 Prozent und 2003 sogar 48 Prozent. Die SPD hat im Gewerkschaftslager noch deutlicher verloren als insgesamt – hier liegt die Zustimmung der organisierten KollegInnen nur noch bei 13,9 Prozent. Das ist zwar mehr als das sozialdemokratische Landesergebnis von 10,1 Prozent, aber um Meilen vom 2013er Ergebnis (28 Prozent) oder dem von 2003 (33 Prozent) entfernt.

Die Linkspartei konnte vom sozialdemokratischen Verlust nicht profitieren – sie erreicht mit 4,6 Prozent im Gewerkschaftslager zwar eine höhere Zustimmung als insgesamt (3,2 Prozent). Allerdings lag ihr Anteil unter den organisierten KollegInnen 2008 kurz nach der Gründung der fusionierten Partei schon einmal bei 10 Prozent – wofür damals sicher auch das Engagement von bayerischen Metallern wie Klaus Ernst und Thomas Händel in der neuen Linkspartei sowie ein auch landesweit besseres Ergebnis sorgten. Dieses Terrain wurde wieder eingebüßt.

Die FDP spielt bei gewerkschaftlich organisierten WählerInnen kaum eine Rolle (3,6 Prozent bei der Wahl am Sonntag, das liegt in der Spannweite früherer Ergebnisse). Die Freien Wähler hingegen kommen im Gewerkschaftslager in etwa auf den Wert des Gesamtergebnisses der Partei (11,1 zu 11,6 Prozent).

Die acht DGB-Organisationen haben in Bayern Ende 2017 zusammen 808.461 KollegInnen organisiert. Insgesamt gab es im Freistaat rund 9,5 Millionen Wahlberechtigte.

Geschrieben von:

Vincent Körner