Wirtschaft
anders denken.

Zweierlei Maß, toxisches Klima: Frauenanteil in der Ökonomie stagniert in den USA

09.01.2019
123rf/jolka

Ein aktuelles Papier von Shelly Lundberg und Jenna Stearns für das Institute of Labor Economics IZA zeigt, dass von Fortschritt in Sachen Gleichstellung in der Ökonomik mindestens in den USA nicht die Rede sein kann. Im Gegenteil: Der Frauenanteil sinkt teils wieder.

Über die Dominanz von Männern in den Wirtschaftswissenschaften und die nur langsam wachsende Präsenz von Ökonominnen an Universitäten und in der Forschung haben wir im vergangenen Februar einen ganzen Schwerpunkt gemacht. Nun zeigt ein aktuelles Paper von Shelly Lundberg und Jenna Stearns für das Institute of Labor Economics IZA, dass von Fortschritt in Sachen Gleichstellung mindestens in den USA nicht die Rede sein kann.

Wie auf der Basis von Daten der American Economic Association zur Zusammensetzung der führenden Wirtschaftsfakultäten in den USA gezeigt wird, hat sich zwar seit 1993 der Anteil von Frauen unter den ordentlichen Professuren deutlich gesteigert – von 3 Prozent auf zuletzt rund 14 Prozent. Doch das ist weit entfernt von einer angemessenen Berücksichtigung. Und schlimmer: »Auf den unteren Stufen der akademischen Karriereleiter (Assistant Professors / Associate Professors) ist der Anteil nach Höhepunkten von jeweils über 25 Prozent inzwischen wieder auf rund 20 Prozent gesunken«, so das IZA. »Auch bei den neuen Doktoranden und Promovierten ist kein Aufwärtstrend erkennbar.«

Für den »Stalled Progress« sehen die Autorinnen die Gründe auch bei so genannten »Produktivitätsnachteilen« von Frauen »etwa aufgrund von Familienplanung, anderen Karriereeinstellungen oder mangelndem Zugang zu bestehenden Netzwerken«. Aber das ist nicht ausschlaggebend: »Selbst bei gleicher Produktivität werden Frauen in der Ökonomie deutlich stärker benachteiligt als in anderen Disziplinen«, so wird das Ergebnis des Forschungspapiers zusammengefasst. Ein Grund: Bei der Bewertung des Forschungsoutputs werde »oft mit zweierlei Maß gemessen werde. Zudem gebe es zahlreiche Hinweise darauf, dass in den Wirtschaftswissenschaften – vor allem in den klar männerdominierten Teildisziplinen – ein besonders ›toxisches‹ Klima herrsche, das viele Frauen abschrecke«.

Das Papier erinnert auch an die zwischen den Geschlechtern stark unterschiedliche Wahrnehmung der mangelnden Chancengleichheit: »Dass Frauen an US-Fakultäten geringere Karrierechancen haben als Männer, glauben einer Erhebung von 2008 zufolge 76 Prozent der weiblichen Ökonomen, aber weniger als 20 Prozent ihrer männlichen Kollegen. Jeder dritte Ökonom vermutet sogar eine Bevorzugung von Frauen. Die Autorinnen sehen in dieser Einstellung eine große Hürde für weitere Gleichstellungsinitiativen.«

Geschrieben von:

OXI Redaktion